Operation kann oft helfen

AKTION Wirbelsäulenspezialist Dr. Heiko Mewes berät Leser am Telefon

Probleme mit der Wirbelsäule sind sehr verbreitet, im Wirbelsäulenzentrum in Wehrda, wo Dr. Mewes praktiziert, wurde gerade der 15000ste Patient operiert. Durchschnittlich 1000 Wirbelsäulenoperationen im Jahr werden dort durchgeführt, seit 2009 sei die Zahl wieder leicht rückläufig, sagt Dr. Mewes. "Am häufigsten sind Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenosen, wobei rund zwei Drittel auf den unteren Rücken entfallen und ein Drittel auf die Halswirbelsäule", fasst er zusammen.

Eine 78-jährige Wetzlarerin hat ständig Schmerzen im unteren Rücken. Es wurde ein Facettensyndrom diagnostiziert, aber weder eine Spritze noch eine Verödung brachten die geringste Linderung. "Kann man denn gar nichts machen?", fragt die sportliche Frau, die sich sehr eingeschränkt fühlt von diesem Problem.

"Wenn weder die Einspritzung noch die Verödung auch nur kurzfristig Besserung bringen, ist die Ursache für Ihre Schmerzen möglicherweise eine andere", sagt der Wirbelsäulenspezialist. "Es könnten auch die Beckeneckgelenke sein, die solche Beschwerden auslösen." Er rät dazu, neue MRT-Bilder machen zu lassen und nachzusehen, ob es nicht andere Gründe für die Schmerzen gibt.

Training zum Muskelaufbau muss man dauerhaft machen

Eine 67-jährige Anruferin aus Haiger hat laut ärztlicher Diagnose eine zerstörte Bandscheibe in der Lendenwirbelsäule. Auch verdickte Bänder an der Wirbelsäule, eine Verengung des Wirbelkanals und Wirbelgleiten wurden festgestellt, und sie kann kaum noch laufen. Operieren will ihr Arzt nicht, und nun hat ihr der Chiropraktiker gesagt, sie dürfe auf keinen Fall mehr an Fitnessgeräten üben, obwohl ihr das immer sehr geholfen hat. "Kann man denn gar nichts tun?", fragt sie.

"Wenn Ihnen der Muskelaufbau mit Fitnessgeräten gut tut, gibt es keinen Grund, das nicht weiter zu tun. Das hilft natürlich nur, wenn Sie es regelmäßig machen und dabei bleiben", sagt Dr. Mewes. Die Einschränkungen beim Gehen kämen vom Wirbelgleiten, und da könne eine Operation durchaus helfen. Dieser Eingriff sei auch nicht übermäßig kompliziert, beruhigt er die Anruferin.

Aus Biedenkopf ruft eine 64-Jährige an, bei der eine Arachnoidalzyste zwischen dem 8. und 9. Brustwirbel festgestellt wurde. Sie bekommt gegen die Schmerzen Morphium und andere Schmerzmittel, mit denen sie sich nicht gut fühlt. "Ich nehme sie nicht immer, aber kann man das nicht operieren?", fragt sie.

"Das kann man zwar, aber diese Zyste kommt oft nach einer operativen Entfernung wieder. Außerdem ist die Operation riskant, weil direkt am Brustmark operiert wird und damit eine Querschnittslähmung die Folge sein kann", warnt Dr. Mewes. Er rate davon eher ab.

Bei der 85-jährigen Mutter eines Anrufers aus Weilburg sind eine Wirbelsäulenverkrümmung, Bandscheibenverschleiß und eine Zerstörung der kleinen Wirbelgelenke festgestellt worden. Von den starken Schmerzmitteln, die sie deswegen bekomme, sei sie so müde, dass sie kaum noch am Leben teilnehmen könne, bedauert der Anrufer.

"Eine Operation kommt bei diesen Diagnosen nicht infrage", sagt der Spezialist. "Aber es gibt andere Möglichkeiten der Schmerztherapie." Er schlägt vor, bei einem Schmerztherapeuten Rat zu suchen, beispielsweise wegen einer direkten Einspritzung von Schmerzmitteln in die Wirbelsäule unter dem CT. "Auch eine stationäre Schmerztherapie in der orthopädischen Klinik in Braunfels kann helfen", rät er weiter. Er gehe aber auch davon aus, dass die Benommenheit zurückgehe, wenn die Mutter des Anrufers sich an die Schmerzmittel gewöhnt habe.

Eine 64-Jährige aus Schöffengrund hatte sich den Fuß gebrochen und fast fünf Monate hauptsächlich gelegen, berichtet sie. Nun habe sie Schmerzen beim Gehen, außerdem seien ihr oft die Beine eingeschlafen. Es sei ein leichter Bandscheibenvorfall festgestellt worden, aber sie wolle keine Operation.

"Das ist jetzt auch nicht sinnvoll", sagt Dr. Mewes. "Ihre Beschwerden kommen wahrscheinlich vom langen Liegen: Erst wenn sie jetzt mit vernünftiger Bewegung nicht zurückgehen, muss etwas getan werden."


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet