Operation nur als letztes Mittel

Direkter Draht zum Mediziner  Dr. Gerrit Bonacker gab Tipps zu Rückenleiden

So hat ein Solmser, 55 Jahre, der unter Hexenschuss, Ischias und Bandscheibenproblemen leidet und nachts kaum durchschlafen kann, Angst vor einer Untersuchung mittels MRT.

„Für wen ein normales MRT gar nicht infrage kommt, dem können zwei Alternativen angeboten werden“, beruhigte Dr. Bonacker den Anrufer. So könne etwa ein Beruhigungsmittel verabreicht werden. Zudem werde, wenn auch nicht überall, als Alternative eine offene MRT angeboten.

Bei einem Sturz habe sich ihre Mutter, 83 Jahre, den ersten Lendenwirbel gebrochen. Seither habe sie Schmerzen und könne kaum 20 Meter laufen. Ob es sich da vielleicht um einen abgedrückten Nerv handeln könne, wollte eine Frau aus Weilmünster wissen.

Man müsse sich die Röntgen und CT-Bilder noch einmal genau anschauen, meinte der in Marburg beheimatete Wirbelsäulenchirurg. Oftmals gebe es Handlungsmöglichkeiten, über die Patienten unzureichend aufgeklärt würden. Auch sei man für eine Operation, sofern sie die Lebensqualität verbessern helfe, niemals zu alt. So sei beispielsweise mittels minimalinvasiver Kyphoplastie, wo Wirbelkörper aufgeweitet und Hohlräume mit Zement befüllt würden, oft noch etwas zu machen.

Seit Monaten kämpft eine 75-jährige Anruferin aus Dillenburg mit Ischias sowie Lendenwirbelsäulenproblemen. Krankengymnastik und Schmerzmittel hätten kaum Linderung verschafft.

„Wichtig ist zunächst zu schauen, woher der Schmerz kommt“, gab sich Dr. Bonacker überzeugt. Gehe ein Rückenschmerz nach etwa acht Wochen nicht weg, sollte man nachforschen. Sei Osteoporose im Spiel oder komme der Schmerz vielleicht aus dem Beckeneckgelenk. So könne eine spezifische (Schmerz)therapie erfolgen. Eine Operation sollte immer nur die allerletzte Stufe darstellen. Zuvor könnten beispielsweise Reizstrom, das Tragen eines Korsetts, Akupunktur, Lasertherapie, Übungen und viel Bewegung vielversprechende Mittel sein.

Über Probleme mit der Halswirbelsäule klagte eine 56-Jährige am Hörer. Seit drei Monaten könne sie sich schlecht strecken oder den Kopf nach unten halten, was stichartige Scherzen im Nacken verursache. Sie habe bereits Akupunktur, Spritzen und Tabletten versucht.

Mittels eines Röntgenbildes sollte abgeklärt werden, ob es sich hier nicht um größere Verschleißerscheinungen handele, empfahl Dr. Bonacker. Es könne auch eine Instabilität vorhanden sein, weshalb eine weitergehende Halswirbelsäulen-Diagnostik anzuraten sei. Bei den Schmerzmitteln sei es hilfreich, sich mit dem Hausarzt abzustimmen.

Spinalkanalstenose, Band-scheibenvorfälle, Osteoporose, Schmerzen im Lendenwirbelbereich bis zu den Füßen. Das sind die Leiden einer Anruferin aus Ehringshausen. MRT und CT wurden gemacht, eine Schmerztherapie begonnen. Akupunktieren helfe etwas.

„Bevor man über eine operative Maßnahme nachdenkt, sollte geprüft werden, ob es nicht Sinn macht, bei entsprechenden körperlichen Voraussetzungen auf die SpineMed-Therapie zurückzugreifen, mittels derer der Spinalkanal erweitert werden kann“, riet der 48-jährige Spezialist. Die Erfolgsquote liege hier bei etwa 60 Prozent, sei allerdings keine Kassenleistung.

n Die Praxisklinik bietet am Samstag, 9. September, von 10 bis 15 Uhr bei einem Tag der offenen Tür unter anderem Workshops und Vorträge für Patienten und Interessierte an. Mehr zum Programm gibt es unter www.praxisklinik-mittelhessen.de. (msk)


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