Organspende trifft auf Verfügung

Patientenverfügung und Organspendeausweis müssen rechtssicher miteinander kombiniert werden. Patientenverfügungen helfen, wenn der Patient aufgrund akuter Verletzung oder Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen gegenüber dem Arzt zu äußern.

In einer Patientenverfügung kann vorab bei vollem Bewusstsein bestimmt werden, welche Behandlungen der Patient wünscht und welche nicht. Viele Betroffene wünschen, nicht bis zur letzten Konsequenz mit den Mitteln der "Apparatemedizin" behandelt zu werden. Sie möchten in Würde sterben und lehnen lebensverlängernde, intensivmedizinische Maßnahmen ab.

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Wenn der Patient aber gleichzeitig Organspender ist, ist die Situation problematisch. Denn Organe für Transplantationen dürfen erst bei einem nachgewiesenen Hirntod entnommen werden. Um das Absterben der Organe zu verhindern und ihre Transplantationsfähigkeit zu erhalten, müssen die Lebensfunktionen des Organspenders bis dahin künstlich mit Hilfe von Maschinen aufrechterhalten werden. Eine Organentnahme kann ohne intensivmedizinische Behandlung nicht durchgeführt werden.

Hat sich der Betroffene gegen lebensverlängernde Maßnahmen entschieden, muss die Vertrauensperson den Konflikt zugunsten der Patientenverfügung auflösen. Die behandelnden Ärzte wiederum sind verpflichtet, die Anweisungen der Vertrauensperson zu befolgen.

Dem Dilemma vorbeugen

Es ist nicht erlaubt, die Bereitschaft zur Organspende höher zu bewerten als die in der Patientenverfügung niedergelegten Behandlungswünsche. Damit Vertrauenspersonen und Ärzte ihre Entscheidungen nicht vor diesem rechtlichen und ethischen Dilemma treffen müssen, und damit der Wille des Patienten durchgesetzt werden kann, sollte der Betroffene seine Patientenverfügung so gestalten, dass seine Bereitschaft zur Organspende berücksichtigt wird.

Wichtig ist eine eindeutige Regelung, die es Ärzten gestattet, Lebensfunktionen bis zur Organentnahme kurzfristig aufrecht zu erhalten, sofern der Patient als Organspender in Betracht kommt.

Damit die Patientenverfügung im Ernstfall gefunden wird, sollte sie im Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer hinterlegt werden. (Diese Kolumne entsteht in Zusammenarbeit mit der Notarkammer Frankfurt.)


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