Papier ist fester als erwartet

FORSCHER AG Stein-Schüler konstruieren stabile Hingucker

Die Teilnehmer der AG "Steinschule forscht" mit ihren einfallsreichen Stuhlkonstruktionen aus Papier und Pappe. (Foto: Pöllmitz)

Wie schnell der Wind ein Blatt Papier wegträgt, Wasser es aufweicht oder es reißt, wenn man nicht vorsichtig damit umgeht, hat jeder schon einmal erfahren.

Dass es aber auch sehr schwer sein kann, weiß auch jeder, der schon einmal einen Packen Kopierpapier in Händen hatte und dass ein dicker Papierstapel eine Menge Druck aushält. Doch kann man zum Beispiel aus dünnem Zeitungspapier einen Stuhl bauen, auf dem man sitzen kann?

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Rund 50 Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis neun der Freiherr-vom-Stein-Schule gingen dieser Frage auf den Grund und präsentierten zum Abschluss 17 Stühle, die sich sehen lassen konnten.

50 Schüler der Klassenstufen fünf bis neun präsentieren 17 Stühle

Als Material waren ausschließlich Papier und Pappe erlaubt, jedoch keine Kartonpappe - höchstens 170 Gramm pro Kubikmeter waren die Grenze. Es wurde Papier gerollt, verflochten, mit Streben gearbeitet und wer schon mal mit Pappmaschee gearbeitet hat, weiß, welch feste Verbindung Tapetenkleister und Papier eingehen können.

Dann stellte sich auch noch die Frage, wie das gute Stück später aussehen soll, damit man auch einen Preis damit gewinnt. Schließlich hatte der Förderverein der Schule für den 1. Preis 100 Euro ausgelobt. Für den 2. Platz gab es einen Aufenthalt im Kletterwald und auf die Drittplatzierten wartete eine Kinogutschein.

Eine Jury aus Fachlehrern traf die Vorauswahl: Physiklehrer Mehmet Bilgetekin beurteilte die physikalische Idee dahinter, Bärbel Weinreich die künstlerische Gestaltung, Yvonne Schweitzer die Verarbeitungsqualität und Schulleiter Klaus Berghäuser den Gesamteindruck. "Die Kinder, die größtenteils aus der Jahrgangsstufe fünf kommen, hatten zwei Monate Zeit und haben große Kreativität bewiesen", sagte Forschungs-AG-Chef Bilgetekin. Sein Kollege Christoph Schmidt übernahm die Moderation, als 220 Mitschüler zum guten Schluss die endgültige Entscheidung fällten. Den ersten Platz belegten Melina Rizzetti, Nadine Gradel und Nele Winter, die einen Fußball-WM-Stuhl schufen. Die Sitzfläche sieht aus wie ein Fußballfeld, dessen Tore die Armstützen darstellen und die Rückenlehne ziert der Weltpokal. Stabile Wertarbeit und ein echter Hingucker lautete das Urteil.

Platz zwei holten sich Jessica Streichert, Isabel Sallin und Ewelina Drobik mit ihrem Dschungelstuhl, der mit Blüten und Papierlianen verziert beeindruckte.

Dass es aber auch einfach, schlicht und wirkungsvoll geht, zeigten Luisa Christin Medebach und Hannah Carmen Pullmann, die ohne viel Farbe und Dekoration ihren "New Seat" kreierten und dabei mit Zeitungspapier einen Klassiker neu belebten: Runde Sitzfläche, drei Beine - der Melkschemel.

Bei der Arbeit haben die Teilnehmer viel gelernt: Tesafilm gibt nicht genug Halt, die Verbindung der einzelnen Teile will bedacht sein und man sollte nicht bis auf die letzte Sekunde werkeln, da ein Papier-Kleister-Gemisch eine gefühlte Ewigkeit zum Trocknen braucht und dann keine Zeit mehr für die Farbe bleibt. "Es hat riesigen Spaß gemacht, sich etwas auszudenken, es zu bauen und festzustellen, dass es auch hält", sagt Isabel Sallin. Beim nächsten Wettbewerb werden aller Voraussicht nach Fahrzeuge mit eigenem Antrieb im Mittelpunkt stehen.


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