Paypal bekommt Konkurrenz

INTERNETHANDEL Banken bauen Alternativsystem auf / VR Bank gehört zu Vorreitern

Klaus Königs und Holger Jung von der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach demonstrieren das Bezahlen mit Paydirekt am Laptop. (Foto: Bünger)

Zu denen, die das neue System namens Paydirekt dieser Tage schon einführen, gehört die VR Bank Biedenkopf-Gladenbach. Warum sie das tut, erklärt deren Vorstandsmitglied Klaus Königs mit einigen Zahlen. 41 Millionen Deutsche würden bereits regelmäßig online einkaufen, Frauen ebenso wie Männer, Junge ebenso wie Alte. Pro Jahr gebe der durchschnittliche Online-Käufer 1131 Euro im Internet aus, insgesamt summiere sich der dortige Umsatz auf 52 Milliarden Euro. "Dieses veränderte Kundenverhalten müssen wir aufnehmen", sagt Königs.

Die deutschen Banken versprechen ihren Kunden einen wesentlich besseren Datenschutz

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Das vor allem auch deshalb, weil moderne Zahlungswege zu Lasten der klassischen Verfahren wie Lastschrift und Überweisung gehen. Ein Verdienst, der den Banken wegbricht. In Zahlen: Die Käufer erledigen jeden vierten Einkauf im Internet mit Online-Bezahlverfahren. Die VR Bank registriert bei ihren Kunden mittlerweile pro Monat etwa 3000 Transaktionen, die über den Marktführer Paypal abgewickelt werden. "Der Zahlungsverkehr ist für uns aber eine Kernkompetenz", erklärt Königs, warum die Banken nun dagegen halten wollen. Beteiligt sind neben Genossenschaftsbanken und Sparkassen auch Großbanken sowie Privatbanken.

Vom Vorgehen unterscheidet sich Paydirekt nicht wesentlich von Paypal: Ebenso wie bei dem bereits etablierten System sollen die Kunden bei ihren Einkäufen die Bezahlmöglichkeit per Mausklick auswählen und die Zahlung nach Eingabe eines Passworts anweisen können. Die VR Bank sieht allerdings doch einige wesentliche Vorteile. "Vielen Kunden ist gar nicht bewusst, was mit ihren Daten bei Paypal passiert", sagt Königs. Das US-Unternehmen verkaufe Daten wie Handynummer, E-Mail-Adresse und Telefonnummer an etwa 80 Firmen. 

"Paypal dagegen hat einen sehr hohen Sicherheitsstandard beim Datenschutz", unterstreicht Königs. Die Kundendaten würden nicht an Dritte verkauft, noch nicht einmal der Händler erfahre die Kontodaten des Kunden. Darüber hinaus erfolge die Bezahlung direkt vom Konto des Kunden, ohne jeglichen Umweg über ein virtuelles Konto wie bei Paypal. Nicht zuletzt sei ein Vorteil für die Privatkunden, dass die heimische Bank Ansprechpartner ist. Käuferschutz sei im Übrigen bei Nichtleistung des Händlers ebenfalls, analog zu Paypal, gegeben. Für die Händler lohnt es sich laut Königs ebenfalls, Paydirekt zusätzlich anzubieten. "Der wesentliche Vorteil für den Händler sind die Konditionen", sagt er.

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf wird Paydirekt ebenfalls einführen. "Das ist ja ein System der gesamten deutschen Kreditwirtschaft", betont Marketingleiter Michael Frantz. Die Vorbereitungen laufen laut Henning Wagner, Leiter des Elektronik-Bankings. derzeit auf Hochtouren. Er rechnet damit, dass es im April oder Mai bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf so weit sein wird.


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