"Phelps ist eine Bereicherung"

SCHWIMMEN Paul Biedermann freut sich über die Rückkehr des US-Stars

Volle Konzentration: Schwimmer Paul Biedermann vor seinem Start über 50 Meter Freistil.

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Ein letztes Ausrufezeichen setzte der erste Mann, der 200 Meter Freistil in unter 1:40 Minuten geschwommen ist (Berlin 2009), bei den Deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen, als er sich den Titel in seiner Paradedisziplin sicherte - und das mit Weltjahresbestzeit.

Trotz der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im russischen Kasan hat Deutschlands Sportler des Jahres 2009 noch Zeit, am Dillenburger Oranierschwimmfest teilzunehmen. Im Hallenbad "Aquarena" holte er sich souverän den Sieg über 50 Meter Schmetterling und 50 Meter Freistil. Am Rande der Veranstaltung sprach Biedermann mit dieser Zeitung über den Stellenwert des Schwimmens in Deutschland, sein baldiges Karriere-Ende und über seinen Kontrahenten Michael Phelps.

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Herr Biedermann, dürfen wir das Gespräch mit einer gemeinen Frage beginnen?

Paul Biedermann: Natürlich. Es ist Ihr Interview. Sie bestimmen die Fragen.

Stimmt es, dass Sie als Kind bei der Seepferdchen-Prüfung durchgefallen sind?

Biedermann (lacht): Ja, das ist richtig. Ich war vier Jahre alt. Meine Eltern wollten, dass ich Schwimmen lerne. Beim zweiten Versuch hat es dann aber geklappt.

So holprig der Start war, umso erfolgreicher sind Sie nun. Zuletzt sind Sie in Berlin Deutscher Meister im 200 Meter Freistil geworden - und das mit einer Weltjahresbestzeit von 1:45,60 Minuten. Waren Sie davon selbst überrascht?

Biedermann: Absolut. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich war endlich mal nicht krank und habe mich gut auf den Wettkampf vorbereitet. Mit dieser Zeit kann ich total zufrieden sein. Klar ist aber auch, dass ich mich bis zur Weltmeisterschaft in vier Monaten noch verbessern muss.

Stichwort WM: Was ist für Sie in Kasan möglich?

Biedermann: Ich erwarte einfach von mir, dass ich mein bestmögliches Rennen mache und alles aus mir raushole. Schaffe ich das, kann ich mit dem Ergebnis gut leben. Egal, was dann am Ende dabei rauskommt.

In welchen Disziplinen werden Sie in Russland antreten?

Biedermann: Natürlich in meiner Paradedisziplin: 200 Meter Freistil. Auch in der Staffel werde ich an den Start gehen. Den Rest kann ich noch nicht sagen. Das entscheidet auch der Bundestrainer.

Vergangene Woche gab US-Star Michael Phelps sein Comeback und will nach eigenen Aussagen auch bei Olympia in Rio dabei sein. Wie bewerten Sie seine Rückkehr?

Biedermann: Ich finde, das ist ein tolles Zeichen. Phelps ist eine Bereicherung für unseren Sport. Von seinen Erfolgen und seiner Popularität hat auch das Schwimmen profitiert.

Dürfen wir uns in Rio auf ein Duell Biedermann gegen Phelps freuen?

Biedermann: Ich weiß nicht, in welchen Disziplinen Michael an den Start geht. Das müssen wir einfach abwarten. Aber es waren immer tolle Duelle gegen ihn.

Sie haben die Popularität des Schwimmens angesprochen. Welcher Stellenwert hat die Sportart in Deutschland?

Biedermann:. Generell finde ich, dass wir dafür sorgen müssen, dass noch viel mehr Kinder in Deutschland Schwimmen lernen müssen und es als Fach auch regelmäßig in der Schule auf dem Lehrplan stehen sollte. Das ist einfach sinnvoll. Schwimmen bringt etwas für das ganze Leben. Was die Aufmerksamkeit für unseren Sport betrifft, dürfen wir uns nicht beschweren. Wir sind immer noch präsent im TV, wie die Übertragung der Deutschen Meisterschaften in Berlin gezeigt haben.

Dennoch hat Markus Deibler, der bei den Kurzbahnweltmeisterschaften in Doha einen neuen Weltrekord aufgestellt hat, seine Karriere beendet, um eine Eisdiele zu betreiben. Können Sie seinen Rücktritt verstehen?

Biedermann: Ich ziehe den Hut vor Markus Deibler für diese Entscheidung. Er hat sich entschieden, Geschäftsmann zu sein. Seinen Weg finde ich beeindruckend.

Sie waren 2009 Deutschlands Sportler des Jahres. Bei der letzten Preisverleihung übte Maria Höfl-Riesch Kritik, dass kein Olympiasieger gewonnen hatte. Nachvollziehbar?

Biedermann: Die Sportjournalisten haben Robert Harting gewählt, das ist auch völlig in Ordnung. Er ist ein großartiger Sportler, den ich sehr schätze.

Haben es aber zum Beispiel Fußballer nicht einfacher, im Rampenlicht zu stehen?

Biedermann: Das kann ich nicht beantworten. Ich möchte auch nicht den Fußball beurteilen. Ich konzentriere mich auf das Schwimmen.

Und das zumindest noch bis Olympia 2016. Danach haben Sie ihr Karriere-Ende angekündigt. Bleibt es dabei?

Biedermann: Ja, nach Olympia ist definitiv Schluss für mich. Danach bin ich 30 Jahre, das ist ein guter Zeitpunkt. Ich habe dann 18 Jahre Leistungssport betrieben. Eine sehr lange Zeit. Was nach dem Schwimmen kommt, wird man sehen. Ich habe viele Möglichkeiten, halte mir aber noch alles offen.

Um vielleicht danach eine Familie zu gründen? Ihre Lebensgefährtin Britta Steffen hat bereits ihre Karriere beendet. Ist dann der richtige Zeitpunkt?

Biedermann (lacht): Einen festen Zeitplan habe ich nicht. Natürlich will ich auch mal Kinder haben. Aber es kommt, wie es kommt. Planen kann man das sowieso nicht.

Welchen Rat geben sie jungen Schwimmtalenten?

Biedermann: Der Spaß sollte im Vordergrund stehen. Denn sonst ist man auch nicht erfolgreich. Ich habe immer meinen Sport ausgeübt, weil er mir persönlich was gebracht hat.


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