Räuber muss ins Gefängnis

PROZESS Dieb scheitert mit Berufung

Das Landgericht Marburg setzte die Strafe auf ein Jahr und zehn Monate Freiheitsentzug fest und verwarf damit die Berufung, die der Mann gegen ein zuvor gefälltes Urteil des Amtsgerichtes eingelegt hatte.

Der 39-Jährige hatte seine Berufung darauf beschränkt, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Das war letztendlich erfolglos, denn die Kammer sah keine Umstände, die dies bei dem Bewährungsversager gerechtfertigt hätten.

Unstrittig waren die Taten an sich. Wie der vorsitzende Richter Klaus-Dieter Schwaderlapp aus dem erstinstanzlichen Urteil verlas, war der Angeklagte zusammen mit den beiden inzwischen ebenfalls rechtskräftig zu Gefängnisstrafen verurteilten Mittätern am Vormittag des 20. September 2011 in Gladenbach so vorgegangen, dass er mit einem Mann die Verkäuferin ablenkte, der Dritte die Zigaretten derweil aus einem Spind entwendete. Gleiches vollzog sich wenige Zeit später in Lohra. Das Gericht wertete dies als schweren Bandendiebstahl, da die Gruppe die dafür erforderliche Anzahl von drei Mitgliedern erreicht habe.

Verurteilt wurde der Angeklagte zudem wegen falscher Versicherung an Eides statt. Nachdem er einen 60 000 Euro hohen Kredit für ein Auto nicht mehr bedienen konnte, besorgte er sich bei der zuständigen Behörde eine Zweitschrift der Papiere. Er behauptete, sie verloren zu haben, und verschwieg, dass die Originale zur Sicherheit bei der Bank lagen.

Vergeblich plädierte Verteidiger Frank Richtberg auf eine Aussetzung der Strafe. Sein Mandant sei inzwischen verheiratet, gehe einer Arbeit nach und werde die Untersuchungshaft sicher als Warnung verstehen. Außerdem gehe er einer ehrenamtlichen Arbeit in einem Altenheim nach. Das reichte der Kammer nicht, zumal diese Arbeit nur zeitlich gering und sporadisch sei, wie Schwaderlapp ausführte. Er habe den Eindruck, dass die Tätigkeit auch aus prozesstaktischen Gründen aufgenommen worden sein könnte.

Taten in Lohra und Gladenbach

Das Gericht folgte der Argumentation von Staatsanwältin Natalie Mand, die zwar Veränderungen im Leben des Angeklagten feststellte, diese jedoch als bei Weitem nicht ausreichend ansah. Zudem sei der Mann vorbestraft, auch wegen eines Vermögensdelikts, und habe trotzdem weitere Straftaten begangen.

Da der Angeklagte zudem unter laufender Bewährung gestanden habe, sei eine günstige Prognose ausgeschlossen, so Schwaderlapp. Hinzu komme die notwendige Verteidigung der Rechtsordnung. "Die Strafaussetzung zur Bewährung ist der rechtstreuen Bevölkerung nicht zu vermitteln." Für den Angeklagten bleibe jedoch das Trostpflaster, dass er als erstmalig zu einer Gefängnisstrafe Verurteilter, die Möglichkeit habe, nach der Hälfte der Zeit entlassen zu werden.


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