Region profitiert vom Tourismus

STUDIE Gut 152 Millionen Euro bleiben im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Manfred Zeiner stellte die Zahlen zum wirtschaftlichen Nutzen des Tourismus im Landkreis Marburg-Biedenkopf vor. (Foto: Krause)

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Die Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH hat die dwif Consulting GmbH aus München mit der Erstellung einer Studie beauftragt, die Ergebnisse wurden nun im Kreishaus von Geschäftsführer Manfred Zeiner vorgestellt.

Landrätin Kirsten Fründt (SPD) betonte, dass es gelte mit Zahlen zu belegen, wer in welchem Maße vom Tourismus profitiert. Auf diesen Fakten gelte es aufzubauen. Um die Interessen ländlicher Regionen im Landkreis und der Stadt Marburg zu bündeln, sei die Zusammenlegung von Tour GmbH und der Marburger Stadtmarketinggesellschaft die logische Konsequenz gewesen, um weiter vorranzukommen.

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Wie Manfred Zeiner ausführte, seien die Übernachtungszahlen im Landkreis Marburg-Biedenkopf in den vergangenen Jahren im Vergleich zum Bundestrend überproportional gestiegen. Zusätzlich zu dieser Erkenntnis müsse aufgezeigt werden, was der Tourismus der Region insgesamt bringe, wer die Profiteure sind, denn so ließen sich Ausgaben und Zukunftsinvestitionen begründen und Akzeptanz bei Einheimischen aufbauen. In der Studie seien auf Grundlage aktueller Zahlen Aufenthaltstage von Gästen, Ausgaben und Umsätze analysiert worden.

Die Zahl der Übernachtungen im Landkreis lag 2014 bei 810 000

Im Jahr 2014 weist die amtliche Statistik in Marburg-Biedenkopf, die Universitätsstadt Marburg eingeschlossen, die nicht gesondert betrachtet wurde, rund 639 000 Übernachtungen aus. Wie Zeiner erläuterte, seien dabei Privatunterkünfte und Betriebe unter zehn Betten nicht eingeschlossen, insgesamt seien es deshalb sogar 810 000 Übernachtungen.

Hinzu kommen Gäste, die bei Freunden, Verwandten oder Bekannten unterkommen, eine nicht unerhebliche Zahl, die "tagsüber normale Touristen sind und Angebote annehmen", sei es beim Einkaufen oder Essen gehen.

Eine sehr große Bedeutung kommt laut Zeiner dem Tagestourismus zu. Neun Millionen Aufenthaltstage bei Tagesreisen wurden verzeichnet, mehr als zehn Mal so viele, wie Übernachtungen.

Wie Zeiner vorrechnete, wird im Landkreis Marburg-Biedenkopf ein Bruttoumsatz von 343,4 Millionen Euro jährlich gemacht, von dem mit 256,5 Millionen der Löwenanteil auf die Tagesreisen entfällt. Rund 75 Millionen sind es für gewerbliche Betrieben mit mehr als zehn Betten, der Rest entfällt unter anderem auf Privatvermieter und Campinganbieter.

Untersucht worden sind die Profiteure und da hat sich laut Zeiner ergeben, dass der Einzelhandel etwa die Hälfte des Umsatzes verzeichnen kann, das Gastgewerbe profitiere zu einem Drittel, der Rest entfalle auf unterschiedlichste Dienstleistungen.

Betrachtet werden müssten zwei Umsatzstufen, die, bei der die Gäste direkt etwas ausgeben, wie unter anderem der Unterkunft, dem Essen, im Geschäft, Taxi, beim Eintritt in Museen und Freizeiteinrichtungen und so weiter. Profitieren würden aber auch beispielsweise Werbeagenturen, Zulieferer, Handwerker, Groß- und Einzelhandel, ohne die die erstgenannten Angebote nicht möglich sind. Diese hätten ein indirektes Einkommen nach allen Abzügen von 63,8 Millionen Euro.

In der ersten Umsatzstufe verblieben 88,2 Millionen, insgesamt seien es also 152 Millionen Euro, die die Menschen im Landkreis am Tourismus verdienen, so Zeiner. Das entspreche 2,8 des Primäreinkommens. Das Steueraufkommen durch Mehrwertsteuer und Einkommenssteuer betrage knapp 32 Millionen Euro. Einen durchschnittlichen Jahresverdienst von gut 22 000 Euro zugrunde gelegt, könnten 6810 Personen ihr Einkommen durch den Tourismus beziehen, eine theoretische Zahl, wie Zeiner einräumte.

Bereits zu Beginn seiner Präsentation hatte Zeiner darauf verwiesen, dass es nicht nur direkte Profiteure gebe. Tourismus sei auch ein Standortvorteil für die Region. Freizeitinfrastruktur wie Rad- und Wanderwege könnten alle nutzen, Unternehmen könnten so leichter Mitarbeiter gewinnen, wenn der Landkreis in diesem Segment attraktiv sei.

Tourismusmanager wünscht vor allem für das Hinterland mehr Unterstützung von der Industrie

In diesem Zusammenhang wünschte sich Tourismusmanager Hartmut Reiße eine bessere Vernetzung mit der Industrie. Er verwies darauf, dass die Industrie und Handelskammern unterschiedlich agierten. Die IHK Kassel-Marburg unterstütze etwa den Altkreis Marburg beim Marketing finanziell. Die IHK Lahn-Dill dagegen, und zu deren Bezirk gehört das Hinterland, halte sich noch sehr zurück.

Landrätin Fründt sagte abschließend, aufgrund der Ergebnisse müsse sich jeder in der Region mit den Stärken, die er hat, einbringen, um die Zahlen zu halten.


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