Regional nicht automatisch besser

EXPERTENTALK Tagung beleuchtet Vor- und Nachteile heimischer Produkte

Talkrunde an der Uni Gießen: Lebensmittel sollen "Appetit auf Zukunft" machen. (Foto: Milosevic)

Auf diesen Nenner lassen sich die Diskussionsbeiträge auf der Tagung "Regional essen in Hessen" in der Aula der Justus-Liebig-Universität (JLU) zusammenfassen. Vor- und Nachteile regionaler Produkte waren dabei aber nicht das einzige Thema.

Dass es schwierig ist, "Regionalität" zu definieren, zeigt die Kennzeichnung durch das "Regionalfenster", das seit Beginn dieses Jahres auf Produkten zu finden ist. Wie weit wird Regionalität geografisch gefasst? Ist nur die Herkunft der Rohstoffe entscheidend oder auch die Weiterverarbeitung? Welche Teile der Produktionskette sollen betrachtet werden? Das "Regionalfenster" ist daher kein Qualitätssiegel mit festgelegten Standards, sondern hat den Zweck, transparent zu machen, wie "regional" ein Produkt tatsächlich ist. Peter Klingmann, der das "Regionalfenster" mitentwickelt hat, erklärt: "In der ersten Zeile stehen die Hauptzutaten und die Region, aus der sie kommen. In der zweiten Zeile steht der Ort des letzten Verarbeitungsschrittes und die dritte Zeile erfasst in Form einer Prozentzahl, wie viele Zutaten regional sind." Die Kennzeichnung sei freiwillig und umfasse derzeit 2400 Artikel. 400 davon seien sogar Bioprodukte. Bisher gäbe es rund 300 Lizenznehmer.

Robert Hermanowski vom Forschungsinstitut für ökologischen Landbau stellte eine Methode vor, mithilfe der man die Regionalität eines Produktes nachweisen kann.

Inwieweit sind Verbraucher bereit, für regionale Produkte mehr zu bezahlen?

Er nutzt dazu die unterschiedliche Zusammensetzung von Wasserisotopen in verschiedenen Regionen. In Deutschland beispielsweise sei die Zusammensetzung von Wasserstoffatomen eine andere als in anderen Ländern. "Daher können wir relativ sicher feststellen, ob die Kirschen auf dem Wochenmarkt aus Ockstadt stammen oder aus der Türkei", illustriert Hermanowski. Innerhalb Deutschlands seien die Unterschiede nicht so groß, aber die Methode reiche, um festzustellen, ob Kartoffeln aus Israel oder Eier aus Frankreich kommen statt aus der Region. In einer Diskussionsrunde gingen Akteure aus Lebensmittelhandel und Lebensmittelverarbeitung, aus dem hessischen Umweltministerium und der Verbraucherzentrale der Frage nach, wie sich regionale Produkte stärker etablieren können. Dabei ging es einerseits um die Wertschätzung der Lebensmittel und inwieweit Verbraucher bereit sind, für regionale Qualität mehr zu zahlen. Andererseits wurden Praktiken des Lebensmitteleinzelhandels kritisiert, der die Marktmacht habe, die Erzeugerpreise zu drücken. Außerdem wurde die Außer-Haus-Verpflegung, darunter Restaurants oder Großküchen in Schulen, Universitäten und Altenheimen, als Ansatzpunkt mit großem Potenzial identifiziert. Denn dort sei die Bio- oder Regionalquote deutlich ausbaufähig.

Doch Regionalität hat auch ihre Grenzen, was mit Blick auf Hessen deutlich wird.

"Mir fällt kein Produkt ein, bei dem der Selbstversorgungsgrad an die 100 Prozent reicht", sagt Peter Klingmann von der "MGH Gutes Aus Hessen GmbH".

Auch die Arbeitsgruppe Ernährungsökologie der JLU untersuchte anhand von Kartoffeln, Karotten und Äpfeln den Selbstversorgungsgrad und kam zu ernüchternden Ergebnissen: "Obwohl man es nicht unbedingt vermuten würde, bei Äpfeln liegt die Selbstversorgung Hessens gerade einmal bei 6,5 Prozent. Karotten schneiden mit 13 Prozent unwesentlich besser ab. Kartoffeln liegen bei etwa 50 Prozent."

Eine Flächenumwidmung könne nur bedingt erfolgen. Und schließlich gäbe es Produkte aus den Ländern des Südens, auf die die meisten nicht verzichten wollen, darunter Kaffee und Kakao.


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