Respekt vor dem Bürgerwillen

KONGRESS Studie zum Tod in Pflegeeinrichtungen vorgestellt

Eine Schwester hält die Hand einer todkranken Frau. Nicht in allen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist die Betreuung Sterbender ausreichend. (Archivfoto: dpa)

André Banat (links) und Wolfgang George präsentierten das Palliativsiegel auf dem Kongress in der Uni-Aula. (Foto: Frahm)

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Anlass war der 2. Kongress "Sterben in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen", zu dem die Gesellschaft für Technologietransfer (TransMIT) in die Gießener Universitätsaula geladen hatte.

Zwei Drittel der Bundesbürger sterben statistisch gesehen in Pflegeheimen. Die Trans-MIT-Studie untersuchte die pflegerische, medizinische und psycho-soziale Versorgungssituation für Sterbende in fast 500 Einrichtungen. 2600 Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen in allen Bundesländern beteiligten sich an der Befragung, die sowohl im Internet als auch per Papierfrageborgen anonymisiert durchgeführt wurde.

Die erschreckenden Ergebnisse: Nur in einem Drittel der Betriebe werden grundsätzlich qualifizierte Pflegende eingesetzt. Nur in der Hälfte der Einrichtungen findet eine Zusammenarbeit der Pflegenden mit ehrenamtlichen Helfern oder anderen komplementären Partnern statt. Nur bei einem Drittel werden die Angehörigen in die Pflege miteinbezogen.

Signifikant sei, dass die Versorgung in kommunalen Einrichtungen weit weniger Mängel aufweise als die in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft, so George. Ebenso sei die Versorgung in kleineren Einrichtungen und denen im ländlichen Raum signifikant besser als die in großen und städtischen Pflegeeinrichtungen. Offenkundig sei, dass leitende Mitarbeiter die Situation in der Befragung deutlich positiver beschrieben als die in der unmittelbaren Versorgung beschäftigten Mitarbeiter.

Um die Versorgung Sterbender in Deutschland auf einen höheren Standard zu bringen, sei es erforderlich, die Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser zu zertifizieren, sagte Privatdozent Professor Dr. G.-André Banat.

Der Palliativmediziner stellte mit dem "Deutschen Palliativsiegel" eine Auszeichnung vor, die es Betroffenen in Zukunft erleichtern soll, eine Einrichtung zu finden, in der Strebende die erforderliche Pflege und Betreuung erfahren.

"Wir wollen gewährleisten, dass Schwerstkranke und Sterbende in Pflegeheimen und Krankenhäusern eine gute bis sehr gute Betreuung bekommen", so Banat.

Neues Zertifikat soll helfen, die möglichst beste Einrichtung zu finden

Für die Zertifizierung werde ein Katalog erstellt, anhand dessen die Qualität der Einrichtung überprüft werden könne. Grundlage für diesen seien die Ergebnisse und Auswertungen der TransMIT-Studien, die zwischen 2012 und 2014 durchgeführt worden seien.

Für die dauerhafte Aussagekraft des Siegels sei die Etablierung eines bundesweit gültigen Monitorings als Teil eines externen und unabhängigen Qualitätsmanagements nötig, so George. Die aktive Einbeziehung der Bürger sei für die Erreichung dieser Standards ein wichtiger Faktor, so George weiter. Die Einrichtung der Hospize, die Gründung von Hospizvereinen in ganz Deutschland und die Erfolge in der ambulanten Sterbebetreuung seien ein Indiz für die Leistungsfähigkeit des Bürgerwillens, befand Wolfgang George.


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