Rheuma ist häufig die Ursache

Aktion  Professor Urban Geisthoff berät zu Mundtrockenheit und anderen Beschwerden

Viele Anrufer am Redaktionstelefon in Gladenbach klagen über extreme Mundtrockenheit. Der leitende Oberarzt und Leiter des Angiom-Zentrum am Universitätsklinikum Marburg weiß, dass das sogenannte Sjögren-Syndrom häufig die Ursache ist. „Morbus Sjögren ist die zweithäufigste rheumatische Erkrankung nach rheumatischer Arthritis, aber viel weniger bekannt“, erklärt er.

Eine 52-jährige Anruferin aus Haiger leidet unter einem sehr trockenen Mund. Sie könne saure oder gewürzte Speisen überhaupt nicht mehr essen, weil sie davon schmerzhaftes Mundbrennen bekomme, klagt sie. Auch ihre Augen seien sehr trocken.

„Gerade wenn auch die Augen betroffen sind, kann es Morbus Sjögren sein, eine Autoimmunerkrankungen, bei der bestimmte Immunzellen besonders die Speicheldrüsen und Tränendrüsen angreifen“, erklärt der Spezialist.

Sie sei aber auf Rheuma untersucht worden und auch ihre Gelenke seien durchleuchtet worden, wendet die Anruferin ein. „Damit hat man wahrscheinlich eine rheumatische Arthritis ausgeschlossen, nicht aber Morbus Sjögren“, erklärt Professor Geisthoff. Er rät der Anruferin, noch einmal zum Rheumatologen zu gehen. „Aber auch Eisenmangel kann zu Zungenbrennen führen“, ergänzt er. „Möglicherweise habe Sie beides.“

Auch eine 82-jährige Gladenbacherin klagt über diese Symptome. Sie lutsche Bonbons, um ihre Mundschleimhaut zu befeuchten, berichtet sie. „Das ist gut“, bestätigt der Spezialist. „Sie können auch einen Kirsch- oder Olivenkern nehmen, wenn Sie nicht immer Bonbons essen wollen.“

Es gibt spezielle Kochbücher für die Ernährung bei Problemen mit Mundtrockenheit

Zumindest in Frankreich gebe es spezielle Kochbücher für Menschen mit trockenem Mund, weil diese Beschwerden auch als Nebenwirkung von Bestrahlungen am Kopf auftreten könnten, berichtet Professor Geisthoff. Manchen Patienten helfe es, Papaya im Essen mit zu verarbeiten.

Aber auch eine Untersuchung auf Morbus Sjögren empfiehlt er.

Bei einer 76-Jährigen aus Haiger ist zufällig im Rahmen einer Schilddrüsenuntersuchung eine Zyste im Hals festgestellt worden. Genau in der Mitte, bestätigt sie auf Nachfrage des Professors. Jetzt mache sie sich Sorgen, obwohl sich die Zyste nicht vergrößert habe.

„Das kann eine mediane Halszyste sein, wenn sie sich nicht vergrößert und auch nicht verdächtig aussieht“, erklärt Professor Geisthoff. „Dann haben Sie sie wahrscheinlich schon Ihr Leben lang. Diese Zysten entstehen in der Embyonalentwicklung und sind nicht bedenklich.“ Eine operative Entfernung sei in diesem Fall nicht notwendig und auch nicht empfehlenswert.

Über einen ständigen bitteren Geschmack im Mund klagt eine 60-jährige Löhnbergerin. Dieser unangenehme Geschmack sei immer vorhanden, nicht nur beim Essen, klagt sie.

„Dann kommt es wahrscheinlich nicht von einer Speicheldrüse, sondern ist ein Problem der Zunge“, sagt Professor Geisthoff. „Ein Virus kann die Nerven der Zunge angegriffen haben oder die Geschmacksnerven haben sich verändert.“ Er rät zu einem Geschmackstest bei einem HNO-Arzt.


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