Risikofaktoren beachten

AKTION Facharzt Dr. Stephan Wagner stellt sich den Fragen der Leser zu Cholesterin

Wagner ist Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie, Hypertensiologe DHL und Lipidologe DGFF in der Praxis für Nieren- und Hochdruckerkrankungen und Georg-Haas-Dialysezentrum in Gießen und Lich.

So auch die einer 75-jährigen Haigererin, die im Januar in der Klinik wegen einer Tia (leichter Schlaganfall) behandelt wurde, der aber nicht hundertprozentig nachgewiesen wurde. Ihr Gesamtcholesterin liege bei 195mg/dl, HDL (gutes Cholesterin) bei 66mg/ml und LDL (schlechtes Cholesterin) bei 131mg/dl. Sie nehme Atorvastatin und einen Blutdrucksenker. Mit dem Atorvastatin habe sie zeitweise ausgesetzt, weil sie Husten bekommen habe. Der LDL-Wert ist der entscheidende Punkt bei ihnen", antwortete Wagner. Der Husten sei eher dem Blutdrucksenker zuzuordnen. Sollten Verkalkungen nachgewiesen werden, sei der Zielwert des LDL bei unter 100mg/dl zu sehen. Dies sollte mit Atorvastatin erreichbar sein.

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Eine andere Patientin berichtete, dass sie einen hohen Blutdruck, schnellen Puls, ein Gesamtcholesterin von 256mg/dl, HDL von 61mg/dl und LDL von 143 mg/dl habe. Könne das Einfluss auf eine Herzrhythmusstörung haben?

Hohe Cholesterinwerte könnten zur Verkalkung führen, die sich auf den Herzrhythmus auswirken kann, wusste Dr. Wagner. Sinnvoll sei, auch die Durchblutung der Beinarterien und der Halsschlagader zu kontrollieren. Mit angepasster Ernährung könne man auch Einfluss auf den LDL-Wert nehmen (10 bis 15 % Senkung), da dieser unter 130 sinken sollte. Ein Erfolg könne sich eventuell sogar ohne Tabletten einstellen.

Der Mediziner aus Solms arbeitet mit an einer aktuellen Studie

Eine aus Lindau stammende Anruferin, die in Dietzhölztal weilt, hat ein Gesamtcholesterin von 600mg/dl und nimmt Cholesterinsenker ein. Sie habe von einem Medikament gehört, das gespritzt werde und weniger Nebenwirkungen aufweise. Das Medikament, das sehr teuer werde, solle im Dezember zugelassen werden, bestätigte der 49-jährige Facharzt, der übrigens federführend an der aktuellen Studie beteiligt ist. Es handele sich um einen Antikörper, der gespritzt wird. Es gebe klare Indikationen für den Adressatenkreis, etwa Personen, die andere Medikamente nicht vertragen oder eine besondere erbliche Komponente aufweisen.

Sorgen macht sich eine 57-Jährige, die aus Mittenaar stammt. In der Familie gäbe es sehr hohe Cholesterinwerte. Ihr LDL-Wert betrage 103mg/dl. "Welche Höhe der Cholesterinwert haben sollte, hängt von den Risikofaktoren ab, so etwa Alter und familiäre Vorgeschichte", erklärte der Mediziner. Kardiologe und Angiologe sollten nach Ablagerungen in der Halsschlagader, am Herz und in den Beinarterien schauen. Ein Wert von 103mg/dl könnte in Ordnung gehen.

Ein langjähriger Diabetiker aus Leun nimmt einen Cholesterinsenker und weitere Medikamente, etwa Blutdrucksenker und ein Schilddrüsenmedikament. Sein Problem sind Muskelschmerzen in den Beinen.

Ein Diabetiker sollte regelmäßig zum Kardiologen, um seine Durchblutung untersuchen zu lassen, riet Dr. Wagner dem 75-Jährigen. Die Schmerzen könnten in Zusammenhang stehen mit einem bestimmten Blutwert, der erhöht sein könnte unter der Therapie mit Cholesterinsenkern. Helfen könnte die Halbierung der Dosis des Medikaments Atorvastatin oder eine vorübergehende Pause. Ferner kann eine Kombination mit einem Cholesterinadsorptionshemmer wie Ezetrol sinnvoll sein. Auch die Leberwerte sollten kontrolliert werden. Der Zielwert beim LDL, 72, sollte unter 70 mg/dl bei Diabetikern liegen. Somit scheint dies gut eingestellt.

Eine Herbornerin, 49 Jahre, ist Diabetikerin, hat eine Hautkrankheit und leidet unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Sie will wissen, wie sie ihren Cholesterinwert (gesamt 256mg/dl, LDL 188mg/dl) senken kann. Ein LDL von 188mg/dl sei zu hoch, legte sich der in Solms beheimatete gebürtige Naunheimer Arzt fest. Diabetes sei ein weiterer Risikofaktor.

Er rate, ein Cholesterinprofil, also die kompletten Blutfettwerte, ermitteln zu lassen, um das Gesamtrisiko abschätzen zu können. Empfehlenswert seien zudem Belastungs-EKG, ein Halsschlagadercheck und ein Ultraschall der Beine, um nach Kalkablagerungen zu schauen.

(msk)


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