Roboter hilft dem Chirurgen

UNIKLINIKUM Marburg nutzt deutschlandweit einziges System dieser Art
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Die Philipps-Universität Marburg, die "Dr. Reinfried Pohl-Stiftung" und die "Anneliese Pohl-Stiftung" feierten am Montag die Inbetriebnahme eines roboterassistierenden Operationssystems. "Das ist selbstverständlich kein Ersatz für den Chirurgen, sondern lediglich eine sehr große Erleichterung des Eingriffs", erklärte Professor Matthias Rothmund, Dekan für Medizin der Universität Marburg.

Von einer Erleichterung sprach Professor Rainer Hofmann als Leiter der Klinik für Urologie und Kinderurologie. "Das Risiko einer offenen Operation kann fast auf null Prozent reduziert werden, da durch das Arbeiten mit dem Roboter lediglich ein kleiner Einschnitt in die Bauchhöhle von etwa zwei Zentimetern vorgenommen werden muss", ergänzte er.

Durch diese Öffnungen werde dann mit Hilfe der Roboterarme operiert, so Hofmann. "Das einzige Restrisiko besteht, falls während der Operation Komplikationen auftreten und der Chirurg dann doch die Bauchdecke komplett öffnen muss."

Auch werde die benötigte Menge an Blutkonserven um die Hälfte reduziert. "Der Operateur sitzt nun an einer Arbeitskonsole und blickt auf ein dreidimensionales Einsichtssystem. Dieses ermöglicht ihm, bisher kaum wahrnehmbare Details zu erkennen", erklärte Hofmann. Neben der computer- und robotergesteuerten Überwachung könne über den interaktiven Bildschirm durch die Assistenzärzte auch eine bessere Hilfestellung erfolgen, so der Professor.

Nur eine großzügige Spende habe die innovative Anschaffung des "da Vinci"-Robotersystems möglich gemacht, freute sich Rothmund. "Wir sind sehr stolz, dass der Fachbereich Medizin am Klinikum Marburg nun für Forschung in der Diagnostik und in der Therapie auf einem sehr hohen Level ausgestattet ist." Dieses System sei bereits in den USA weit verbreitet sei. Bis zu 80 Prozent der Prostataentfernungen würden mit Hilfe des Roboters erfolgen.

"Das System führt seine Aufgaben mehr als zuverlässig durch", sagte Professor Rothmund. Das Klinikum habe sich über einen Zeitraum von zwei Jahren intensiv mit dem System beschäftigt, bevor der Entschluss zusammen mit Reinfried Pohl gefasst worden sei, den Roboter zu erwerben, erklärt der Dekan. Auch Professor Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Gießen-Marburg, freute sich über die Neuanschaffung des Operationssystems: "Natürlich ist nun ein hochpräzises Arbeiten am Patienten möglich und auch die Überwachung und Hilfestellung durch den angeschlossenen interaktiven Bildschirm ist genauer."

n Ausbildung von Studenten und Assistenzärzten wird deutlich verbessert

Aber er freue sich auch darüber, dass die Forschung und Ausbildung der Studenten und Assistenzärzte auf ein internationales Niveau gehoben worden sei, so Werner.

"Wir sind die einzige Universität in Deutschland, die durch den anschließbaren Simulator an das System den Studenten und Assistenzärzten eine mehr als nur optimale Ausbildung bieten können." Der endoskopisch-chirurgische Unterricht entspreche nun dem höchsten Qualitätsmaß.

Die Einführung der robotergestützten Chirurgie am Fachbereich Medizin und am Uni-Klinikum wird durch eine neu eingerichtete Gruppe von Wissenschaftlern begleitet und weiterentwickelt. So werden in den nächsten Monaten Seminare zum richtigen Umgang mit dem System angeboten.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf vier Millionen Euro, wovon 2,5 Millionen Euro rein in das Robotersystem investiert worden sind. Eine weitere Neuigkeit ist, dass die "Dr. Reinfried Pohl-Stiftung" einen mit 100 000 Euro dotierten Preis für die Krebsforschung ausgeschrieben hat, so Professor Andreas Neubauer, Sprecher des "Anneliese Pohl Comprehensive Cancer Center Marburg".


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