Schach - das königliche Spiel

Paul Heilemann kommentiert eine Meisterpartie

Bei der Juniorenweltmeisterschaft (U20) in der sibirischen Metropole Chanty Mansijsk war der 17-jährige polnische Großmeister Jan-Krzysztof Duda mit der Elorating 2645 hoher Favorit. 62 Teilnehmer - unter ihnen neun Großmeister - konkurrierten in dreizehn Runden um den begehrten Titel.

Junioren-WM 2015

In der Schlussrunde kam es zu einem dramatischen Führungswechsel. Der russische Großmeister Michail Antipow konnte mit Duda gleichziehen und beendete das Turnier punktgleich mit Duda - beide je zehn Zähler.

Antipow wurde mit der besseren Feinwertung neuer Juniorenweltmeister. Im Duell mit seinem holländischen Gegner in der folgenden Partie brachte der russische Turniersieger sein kombinatorisches Talent zur Geltung. Die zunächst farblos angelegte Partie erreichte ihren Höhepunkt in einem unglaublichen Mattfinale.

Italienische Partie Weiß: Michail Antipow (RUS) Schwarz: Jorden van Foreest (NL)

Junioren-WM, Chanty Mansijsk 2015

1.e4 e5, 2. Sf3 Sc6, 3. Lc4 Sf6, 4. d3. (Diese farblose Fortsetzung führt zu ruhigem Spiel und kann Weiß kaum Eröffnungsvorteil biegen. Der Schwerpunkt der Auseinandersetzung wird praktisch ins Mittelspiel verlagert. Es gibt zahlreiche Beispiele auch in der spanischen Partie für die Anwendung dieser scheinbar harmlosen Methode. Profiliertere Fortsetzungen ergeben sich nach 4. Sg5 und 4. d4). 4. -, Lc5, 5. 0-0 0-0, 6. c3. (Die Eröffnungsliteratur bezeichnet in neuen Quellen c2-c3 und d2-d3 als "Modernes System"). 6. -, d5. (Schwarz sucht Gegenspiel und verzichtet auf das solide 6. -, d6). 7. exd5 Sxd5, 8. b4 Le7, 9. b5 Sa5. (Das scharfe Vorgehen b2-b4-b5 zwingt Weiß zum Abtausch des guten Läufers). 10. Lxd5 Dxd5, 11. c4 Dd7. (Mit diesem Rückzug hält sich Schwarz die Möglichkeit zu Tfd8 offen). 12. Se3. (Sehr in Betracht kam 12. Ld2 e4, 13. Lxa5 exf3, 14. Dxf3 Td8). 12. -, f6, 13.Sd5! Ld8, 14. La3 Te8, 15. Tc1 a6, 16. b6! (Mittels Bauernopfer verhindert Weiß das schwarze Gegenspiel auf der a-Linie). 16. -, cxb6, 17. Sd2 f5, 18. f4 e4. 19. Te1 b5, 20. dxe4 fxe4? (So gelangt der zweite weiße Springer auf ein starkes Feld im Zentrum. Besseren Widerstand leistete 20. -, Df7). 21. Sxe4 Sxc4, 22. Dh5! (Ein Angriffszug mit nachhaltiger Wirkung, dessen Folgen noch nicht durchschaubar sind. Zunächst droht 23-Sef6+! Lxf6, 24. Txe8+!) 22. -, Te6. (Sichert den gefährdeten Turm). 23. f5! Dxd5, 24. Sg5! Lxg5. (Das Stellungsbild zeigt eine Position, die für Schwarz scheinbar glatt zu gewinnen ist. Doch Weiß verfügt über eine phantastische Mattkombination in drei Zügen). 25. De8+!! Txe8, 26. Txe8+ Kf7, 27. Tf8 matt.


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