Schach - das königliche Spiel

Paul Heilemann kommentiert eine Meisterpartie

Dem Wettkampf um die Schachweltmeisterschaft sind Qualifikationen vorgeschaltet. Baku war Austragungsort des hochrangigen Weltcupturniers, wo 128 Teilnehmer einen harten Wettbewerb um zwei Qualifikationsplätze zum WM-Kandidatenturnier austrugen.

Weltcup

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Gespielt wurde nach K.o.-System in Kurzwettkämpfen, wo sich die Teilnehmerzahl von Runde zu Runde halbierte. Die begehrten Finalplätze eroberten die beiden Russen Peter Swidler und Sergej Karjakin, die in einem Match über vier Partien dann um den Gesamtsieg spielten.

In diesem Zweikampf kam es zu einer dramatischen Nervenschlacht. Zunächst gewann Swidler zwei Partien, dann Karjakin zweimal, worauf Karjakin im Tiebreak nach insgesamt zehn Partien einen stolzen Turniersieg feiern konnte. In der folgenden Finalpartie praktizierte Swidler bei seinem Aufbau das Strategem der "vertauschten Farben".

Königsindischer Angriff Weiß Peter Swidler (RUS) Schwarz Sergej Karjakin (RUS)

Weltcupfinale, Baku 2015

1.Sf3 sf6, 2. g3 d5, 3. Lg2 e6, 4. 0-0 Le7, 5. d3. (Der die Eröffnung prägende Zug lenkt die Partie in einen geschlossenen Aufbau - praktisch ein Farbvertauschungssystem - wo Weiß mit Mehrtempo die schwarze Verteidigung "Königsindisch" spielt). 5.-, 0-0, 6. Sbd2 c5, 7. e4 Sc6, 8. Te1. (Mit der Hauptidee, einen Vorpostenbauer auf e5 zu etablieren). 8. -, b5, 9. exd5. (Weiß weicht ab vom thematischen e4-e5). 9.-, Sxd5, 10. Se4 Lb7, 11. c3 a6. (Folgerichtig war 11.-, h6 mit Kontrolle des Punktes g5, womit der Einsatz des weißen Damenläufers eingeschränkt wird). 12. a4 b4, 13. Lg5 f6. 14. Ld2 e5. (Das Auflockern der Bauernstellung führt zur Schwächung der weißen Felder). 15. Tc1! (Es ist kaum erkennbar, dass der Turm auf der c-Linie eine entscheidende Bedeutung erlangen wird). 15.-, Tf7. (Schwarz plant die Umgruppierung Lf8 nebst Td7, wird es nach der folgenden Öffnung 16. d3-d4! nicht realisieren können). 16. d4! (Öffnet mittels Bauernopfer das Zentrum). 16.-, bxc3. (Die b-Linie kommt nur Weiß zugute. Besser war 16.-, cxd4, 17. cxd4 exd4, 18. Db3 Sa5, 19. Dd3). 17. bxc3 cxd4, 18. cxd4 Sxd4. 19. Sxd4 exd4, 20. Db3! (Swidler bringt sein Druckspiel auf den weißen Feldern zur Geltung). 20.-, Tb8.

21. Tb1! (Weiß droht 22. Sd6! Nebst 23. Lxd5!) 21.-, Dd7, 22. Tec1! (Droht entscheidend 23. Sc5! Lxc5!, 24. Txc5). De6, 23. Sc5 Lxc5, 24. Txc5 Td8, 25. La5! (Schwarz ist den weißen Drohungen hilflos ausgeliefert: a) 25.-, Tdd7, 26. Te1 Dd6, 27. Lb4!; b) 25.-, Td6, 26. Dc4! wie in der Partiefolge). 25.-, Td6, 26. Dc4! (Droht 27. Txb7! nebst 28. Lxd5). 26.-, Sc3. (od. 26.-, La8, 27. Tb8+ Tf8, 28. Txf8+ Kxf8, 29. Tc8+). 27. Txb7! De1+, 28. Lf1 Se2+, 29. Dxe2, Schwarz gab auf. (Nach 29.-, Dxe2, 30. Te8+ Tf8, 31. Txf8+ Kxf8, 32. Lxe2 hat Weiß das Übergewicht von zwei Mehrfiguren).


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