Schach - das königliche Spiel

Paul Heilemann kommentiert eine Meisterpartie

Das Turnier um den Mitropa-Cup, ein Wettbewerb mitteleuropäischer Nationalmannschaften, wird seit vier Jahrzehnten durchgeführt. Das inoffizielle, betont freundschaftliche Treffen gibt den teilnehmenden Landesverbänden Gelegenheit, ihren talentierten Nachwuchs international zu testen.

Mitropa-Cup

Im Vordergrund steht dabei nicht der fraglos erwünschte Teamerfolg, sondern der Zugewinn an Erfahrung. Das Turnier der Männer war ein Duell zwischen dem deutschen und tschechischen Team. Zwar besiegte die junge deutsche Mannschaft die Tschechen in Prag, musste sich aber hinter dem siegreichen Gastgeber mit der Silbermedaille begnügen. Das deutsche Mädchenteam feierte einen ungefährdeten Sieg. Glänzende Technik demonstrierte der jugendliche Hamburger in der folgenden Partie.

Damengambit

Weiß: L. Livaic (CRO)

Schwarz: D. Kollars (D)

Mitropa-Cup, Prag 2016

1. d4 d5, 2. c4 c6, 3. cxd5 cxd5. (Die Abtauschvariante im Damengambit, die Slawische Verteidigung, hielt man lange für eine harmlose Spielweise. In der letzten Zeit wurden jedoch neue Ideen in diesem System entdeckt - wesentliche taktische Verschärfungen. Das trifft besonders auf den Verlauf der folgenden Partie zu, wenn der Verteidiger die Gangart verschärft.) 4. Lf4 Sc6, 5. e3 Db6. (Mit Druck auf den Bauer b2 will Schwarz die frühe Entwicklung des weißen Damenläufers ausbeuten.) 6. Sc3 e5. (Dieser Zug öffnet die Diagonale für den schwarzen Königsläufer und verzögert den Einschlag auf b2, der sich noch nicht bewährt: 6 -, Dxb2, 7. Sxd5! e5, 8. Tb1! Lb4+, 9. Sxb4 Dc3+, 10. Dd2 Dxd2+, 11. Kxd2 exf4, 12. Sd5 mit unklarem Ergebnis.) 7. dxe5 Dxb2, 8. Sxd5 Lb4+, 9. Sxb4 Dc3+! 10. Ke2. ( Die Antwort mit dem König ist nun erzwungen, da 10. Dd2 wegen 10.-, Dxa1+ und Turmverlust scheitert.) 10.-, Sxb4, 11. Tc1 Sxa2! (Schwarz vereitelt jetzt das Nehmen der Dame 12. Txc3?, da Schwarz mit Vorteil 12.-, Sxc3+! antwortet.) 12. Kf3. (Flucht des Königs und zugleich wird die Diagonale für Läufer f1 geöffnet, wodurch 12.-, Dxc1 mit 13. Lb5+! pariert werden kann: a) 13.-, Kf8, 14. Dd8 matt; b) 13.-, Ke7, 14. Dd6 matt; c) 13.-, Ld7, 14. Dxd7+ Kf8, 15. e6!) 12.-, Da5. (Verhindert 13. Lb5+.) 13. Tb1, Ld7! (Weiße Drohungen werden abgewehrt, Schwarz aber wird mit Lc6+ aktiv.)

14. Lc4. (Weiß leistete am besten Widerstand mit 14.De1.) 14.-, Lc6+! 15. Kg3 Sc3. (Da Schwarz mit 16.-, Se4+ die Jagd auf den König droht, beginnt Weiß einen letzten Gegenspielversuch.) 16. Lxf7+ Kxf7, 17. Dh5+ Kf8. (17.-, g6? kostet nach 18. e6+! die Dame.) 18. Sf3 Se4+, 19. Kh4 Se7, 20. Sg5 Sg6+, 21. Kg4. (Turmverlust ist nicht zu verhindern.) 21.-, Sxf2+, 22. Kg3 Sxh1+, 23. Txh1 Dd5. Weiß gab auf. (Infolge des deutlichen weißen Materialverlusts ist die Lage ausweglos.


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