Scheibe vom Himmel holen

PREMIERE Tontaubenschießen des Schützenkreises in Runzhausen

Der Lenser in dem Bunker unter dem Plateau, auf dem die Schützen stehen, schleudert auf Knopfdruck automatisch und zufällig eine der Scheiben in die Luft. (Foto: Valentin)

Ganz ruhig ruht der Lauf der Flinte im Anschlag über dem Rand der kleinen Böschung des Plateaus, auf dem die Schützen stehen. Darunter, für sie nicht sichtbar, befindet sich der so genannte Turbolenzer - die Wurfmaschine für die Tonscheiben.

De Lenzer schwenkt ständig hin und her - Schnelligkeit und Zielgenauigkeit des Schützen sind gefragt

Ein kurzes Signal des Schützen reicht aus, um eine der Scheiben auf Knopfdruck in die Luft zu schleudern. In welche Richtung die Maschine sie schleudert, merkt der Schütze erst, wenn sich die Scheibe schon in der Luft befindet.

Denn der Lenzer schwenkt ständig hin und her, sodass die Tonscheiben rein zufällig in den Himmel geschickt werden - mal nach links, mal nach rechts, mitunter sogar geradeaus.

Dann sind Schnelligkeit und Zielgenauigkeit des Schützen gefragt. Hat der zu weit links angelegt und die Scheibe fliegt nach rechts, muss umgeschwenkt werden, um sie noch zu erwischen - und das möglichst schnell, wie Flintenreferent Stefan Burk sagte. Denn der Lenzer auf dem Stand in Runzhausen schleudert die Scheiben mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Metern pro Sekunde in die Luft.

Zwei Patronen des Kalibers 12 stehen den Schützen dabei in den Flinten zur Verfügung, um die Scheibe zu erwischen. Für "normale" Sportschützen sei das mitunter gar nicht so einfach, erklärte Nils Arne Schneider. Die sind es nämlich eigentlich gewohnt, ein statisches Ziel wie eine Scheibe über Kimme und Korn ins Visier zu nehmen.

"Wenn man beim Tontaubenschießen zielt, hat man aber schon verloren", sagte Schneider. Denn die Scheibe bewegt sich ja. Deswegen muss man leicht über die Scheibe zielen, sodass diese unter dem Gewehrlauf verschwindet. Dann ist die Chance gut, dass die Schrotladung aus der Flinte ihren Weg ins Ziel findet und die leichte Tonscheibe in der Luft zerspringt.

Auch Anfänger konnten bei dem ersten Tontaubenschießen in Runzhausen einmal ihr Glück probieren.

Die Schrotflinte gut an die Schulter anlegen - sonst gibt es beim Rückstoß blaue Flecke

Sie durften nicht nur ein Stück näher an den Rand der Böschung herantreten, aus der die Scheiben herausgeschleudert werden, sondern der Lenzer wurde für sie auch arretiert, sodass die Scheiben stets in dieselbe Richtung geschleudert wurden. Mit ein wenig Übung konnten sie so schon bald die eine oder andere Scheibe vom Himmel holen.

Als gewöhnungsbedürftig entpuppte sich dabei für einige Neulinge jedoch der Rückstoß der Schrotflinten. "Die müssen nämlich gut an der Schulter anliegen, sonst gibt’s blaue Flecken", riet Helmut Horn. Selbst wer das beherzigt, spürt nach dem Schießen noch den Druck der Waffe an der Schulter. Spaß macht das Tontaubenschießen aber allemal. Das gaben die beteiligten Schützen und auch die Neulinge, die sich erstmals an dem Sport versuchten, einhellig zu.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet