Schule braucht neuen Namen

UNTERSUCHUNG Namensgeber von Gießener Berufsschule war ein "lupenreiner Nazi"

"In der neuesten Literatur wird Friedrich Feld als ,lupenreiner Nazi‘ eingestuft; dem stimme ich zu", heißt es in der von Brake unterzeichneten Analyse. Demnach gehörte Friedrich Feld zu den Unterzeichnern des "Bekenntnisses der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat".

Zudem habe er seine Berufsschul- und Wirtschaftspädagogik durch konsequente Anpassung an die NS-Ideologie aufgewertet und habe ihr dadurch mehr Geltung verschafft. Dabei habe er nach und nach seine ursprünglich kulturphilosophischen Ansätze aufgegeben und habe die nationalsozialistischen Ansätze übernommen.

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Brake kommt zu dem Ergebnis, Friedrich Feld "näherte sich dadurch nicht nur formal, sondern letztlich auch inhaltlich dem Nationalsozialismus und übernahm dessen wesentlichste Aussagen in die Berufserziehungstheorie. Auf fatale Weise konkretisierte Feld nun seine Konzeption und stellte sie ab auf die politische und wirtschaftliche Praxis des Dritten Reiches". Brake bezieht sich bei seinem Urteil unter anderem auf einen Beitrag von Volker Bank, der an der Technischen Universität Chemnitz den Lehrstuhl für Berufs- und Wirtschaftspädagogik innehat. In der gemeinsam mit Annekathrin Lehmann veröffentlichten Abhandlung "Theodor Franke. Sächsischer Pionier wirtschaftspädagogischen Denkens in Deutschland" stellt Bank fest, "dass Friedrich Feld als lupenreiner Nazi endete".

"Noch heute sehen Berufs- und Wirtschaftspädagogen in ihm eine Art Ahnherrn"

Für das Ende seiner Laufbahn sei diese Aussage in jedem Fall zutreffend, hatte Bank im Juli bereits bekräftigt. Bei Friedrich Feld, der beim Bombenangriff in Berlin am 3. Februar 1945 an seinem Schreibtisch getötet wurde, habe es sich um eine "sehr zwielichtige Figur" gehandelt. So sei er der erste Professor gewesen, der es geschafft habe, eine außerordentliche Professur in eine ordentliche umwandeln zu lassen. "Noch heute sehen Berufs- und Wirtschaftspädagogen in ihm eine Art Ahnherrn", erläuterte Bank. Feld habe wesentliche Grundlagen für das Fach gelegt. Aus Sicht der beruflichen Bildung habe er sich durchaus Verdienste erworben. Und schon damals sei eigentlich klar gewesen, auf welcher Seite Feld politisch gestanden habe. "Nach dem Krieg wollten sich viele nicht mit Friedrich Feld identifizieren", weiß der Hochschullehrer. Ein gewisses Verständnis zeigte Volker Bank für die Namensgebung der vormaligen Kaufmännischen Fortbildungsschule in Friedrich-Feld-Schule, die 1966 erfolgte. Für Bank ist es "durchaus nachvollziehbar, dass eine Schule damals diesen Namen gewählt hat".

In seiner Untersuchung hat Stadtarchivar Ludwig Brake ferner zutage gefördert, dass die ehemalige "Wirtschaftsoberschule und Handelslehranstalt" in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 1. Februar 1968 auf Vorschlag der Gesamtkonferenz der Schule in "Friedrich-Feld-Schule" umbenannt worden war. Dabei sei bemerkt worden, der Name "Friedrich Feld" sei der Mehrheit der Stadtverordneten kein Begriff. Es werde deshalb vorgeschlagen, bei künftigen Benennungen eine kurze Biografie dem Antrag beizufügen. Jedoch hätten die der Vorlage damals beigefügten biografischen Daten keinen Hinweis auf eine Problematik des Namensgebers der Berufsschule im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus enthalten.

Schulleiterin Annette Greilich, die sich derzeit mit einer städtischen Delegation in der Gießener Partnerstadt Wenzhou befindet, teilte auf Anfrage zu dem Sachverhalt mit: "Die Schule ist im Prozess." (tt/ga)


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