Seelische Störung früh erkennen

Telefonaktion  Dr. Ute Tolks-Brandau gibt Tipps zu Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern

Wenn Eltern oder Erzieher ein auffälliges Verhalten bei einem Kind beobachten, solle man zuerst den Kinderarzt darauf ansprechen, rät die Medizinerin. Er könne einschätzen, ob es sich dabei um eine vorübergehende Auffälligkeit handelt oder weitere Schritte unternommen werden sollten. Bei gravierenden Auffälligkeiten könne eine Überweisung an die Ambulanz erfolgen. Manchmal werde auch über psychosomatische Symptome wie Kopf- oder Bauchweh geklagt, die den Kindergartenbesuch verhindern. Impulsives Verhalten, motorische Unruhen, Ängste und Kontaktschwierigkeiten könnten zudem als Auffälligkeiten benannt werden. Diese Dinge könnten ein Kind in seiner sozialen und emotionalen Entwicklung beeinträchtigen. „Eine kinderpsychiatrische Erstvorstellung und Diagnostik kann dann sinnvoll sein“, meint die Fachärztin. In einem ausführlichen Erstgespräch gehe es auch darum, Vertrauen zu den Eltern aufzubauen. In den folgenden diagnostischen Terminen könne die emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes eingeschätzt werden, Spielverhalten und Interaktion zur Bezugsperson beobachtet werden. „Man darf das Kind nicht isoliert betrachten, sondern muss das familiäre und soziale Umfeld miteinbeziehen“, erklärt die Expertin. Im Anschluss an die Diagnostik sei oft schon eine Beratung hilfreich, aber es könnten auch therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. Belastende Faktoren, die schon zu frühen Auffälligkeiten führen, seien beispielsweise Bindungsstörungen, psychische Erkrankungen der Eltern, Frühgeburt oder traumatische Erfahrungen. Nach einer ausführlichen Diagnostik könne man in enger Kooperation mit Schulen, Kindergärten und Therapeuten ermöglichen, dass der Schulstart gelingt und die Entwicklung altersgerecht verlaufen kann. „Erwachsene und Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen hatten oft schon Symptome in der Kindheit“, erklärt die Kinderpsychiaterin. Frühe Behandlungen könnten präventive Wirkungen haben.

Ängste der Eltern werden oft auf die Kinder übertragen

Vor der Einschulung solle der neue Lebensabschnitt dem Kind als normaler Schritt vermittelt werden. Ängste der Eltern würden oft auf die Kinder übertragen. Wichtig sei es, die Gruppenfähigkeit, das Regelverständnis und Selbstvertrauen im sozialen und familiären Umfeld zu stärken. Kenntnisse über die altersgerechte frühe seelische Entwicklung seien eine wichtige Voraussetzung, um rechtzeitig Fehlentwicklungen festzustellen und zu vermeiden.


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