So lässt es sich in den Medien leben

BILDUNG Schulamt startet Pilotprojekt "Schule und soziale Netzwerke" / MPS Hartenrod macht mit

Jeweils vier Schüler aus jeder Pilotschule werden derzeit zu "Peer-Experten" in Sachen Medienkompetenz ausgebildet. (Foto: Schwarzwäller)

"Das ist ein Thema, das uns schon längst auf den Nägeln brennt", sagt Schulleiterin Petra Caspers-Naujoks. An der MPS habe es bereits einen "Pädagogischen Tag" dazu gegeben und als das Staatliche Schulamt dann Pilotschulen für ein neues Projekt mit dem Titel "Schule und soziale Netzwerke" (SuN) suchte, bewarb sich die MPS. Zusammen mit der Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf und den Marburger Gymnasien Martin-Luther- und Elisabethschule wurde sie ausgewählt.

Peer-Experten wissen, was bei Cybermobbing zu tun ist

Man habe sich bewusst entschieden, keine einzelne Zielgruppe herauszugreifen, erläutert Ulrich Müller vom Staatlichen Schulamt. Schüler, Lehrer, Schulleitung und Eltern sind eingebunden und wirken in einer Steuergruppe in jeder Schule mit. Jeweils vier Schüler aus den Jahrgängen 6 bis 8 werden zu "Peer-Experten" ausgebildet, die für die Gleichaltrigen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen; in den Reihen der Lehrer soll es mindestens zwei qualifizierte "Coaches" geben. Und gemeinsam wird an jeder Schule ein Medienbildungskonzept erarbeitet.

Involviert sind unter anderem die Medienbeauftragen des Staatlichen Schulamtes, der Marburger Verein "Make IT safe", das Netzwerk "Einsicht - Marburg gegen Gewalt", Schulpsychologen, Oliver Rust von der Staatsanwaltschaft sowie der Medienpädagoge Thomas Graf.

Über 90 Prozent aller Jugendlichen hätten ein eigenes Smartphone, sagte Graf. Während er früher noch mit Medien gelebt habe, würden die Kinder und Jugendlichen heute in den Medien leben, so der Medienpädagoge - und dafür müsse man neue Kompetenzen entwickeln. Sowohl was die Selbstdarstellung angehe, als auch beim sozialen Umgang.

Auch wenn einige  Lehrer der Ansicht sind, das Thema gehöre nicht in die Schule. "Es ist ein Thema, das die Schulen zunehmend belastet", stellt Burkhard Schuldt vom Staatlichen Schulamt fest. Deshalb wurde am Anfang dieses Schuljahres das Pilotprojekt gestartet, das in der Folge auch für andere Schulen Vorbildcharakter haben soll. Petra Caspers- Naujoks findet, die Auseinandersetzung damit gehöre zum Bildungsauftrag der Schule. "Wir müssen unsere Schüler zu gesellschaftsfähigen Menschen erziehen - und unsere Gesellschaft ist ohne Handy nicht mehr denkbar", sagt sie.

Larissa Haggenmüller und Yannik Beging gehören zu den Schülern, die für die MPS zu "Peer-Experten" ausgebildet werden. Sie fanden das Projekt cool und wollten mitmachen, um zu lernen, was man tun kann, wenn man zum Beispiel Opfer von "Cybermobbing" wird, erzählen die beiden. "Cybermobbing" und "Cybergrooming" - Psychoterror und Anmache im Internet - ist für immer mehr Kinder und Jugendliche bedrohliche Realität.

Peer-Experten werden künftig in die Klassen gehen, ihre Mitschüler aufklären und ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Sie bieten dann zum Beispiel auch an, ein Gespräch mit den Eltern zu führen, wenn sich ein Schüler allein nicht traut, oder eine Beratung zu vermitteln, wenn sie selbst nicht weiter wissen.


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