Stadtwerke wollen Elektro-Bus

Verkehr Studie zur Elektromobilität verzögert sich / Die Frage ist nur noch das „Wie“

Eine Fotomontage für die von den Stadtwerken in Auftrag gegebene Studie zur Elektromobilität im ÖPNV zeigt einen Bus, der in der Schwanallee seine Energie aus einer Oberleitung abnimmt. (Fotomontage: Ifok GmbH/Stadtwerke Marburg)

Die mehrmals verschobene Studie soll jetzt Ende des Monats – also in den Sommerferien – vorgestellt werden. Vorab legen sich die Stadtwerke aber schon einmal fest: Sie sehen die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs in Oberleitungsbussen, die bestimmte Strecken ohne Stromeintrag mit einer Batterie überbrücken können. Nach Informationen dieser Zeitung will Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren den Leiter der betriebsinternenen Arbeitsgruppe „E-Mobilität“, Christoph Rau, damit beauftragen, ein entsprechendes Konzept zu erstellen.

Wo keine Leitung möglich ist, sollen Batterien die Versorgung mit Strom übernehmen

An der Machbarkeitsstudie, die vom Bundesverkehrsministerium aus Mitteln des „Dieselgipfels“ finanziert und vom Fraunhofer-Institut erstellt wird, beteiligen sich neben den Marburger Stadtwerken auch die Stadtwerke Trier sowie mehrere Hochschulen.

Beiden Städten sind gemeinsam die hohe Zahl von Studierenden und die Lage des Campus. An die Studie soll sich ein musterhaftes Planfeststellungsverfahren anschließen.

„Das Ziel soll sein, die Systematik des Elektro-Hybrids auf ganz Deutschland auszurollen“, sagt Rau. „Die Systematik“ sieht für Marburg vor, dass die Strecke von der Innenstadt auf die Lahnberge dereinst von Hybrid-Bussen befahren werden soll, die entweder von einer Oberleitung mit Strom versorgt werden oder dort, wo dies nicht möglich ist, weil etwa Denkmalschutzgründe oder die Straßentopografie gegen die Errichtung einer Oberleitung sprechen, eine Batterie die Versorgung der Busse mit Strom übernimmt.

Der Zielkonflikt ist einfach beschrieben: Je größer die Batterie, desto mehr Strecke ohne Oberleitung kann überbrückt werden – aber desto schwerer und wartungsintensiver wird der Hybrid-Bus. „Unser Ziel muss sein, möglichst wenig Batterie und möglichst viele Fahrgäste pro Bus zu transportieren“, sagt Rau.

Er geht deshalb davon aus, dass der bergauf führende Streckenabschnitt zu den Lahnbergen komplett mit Oberleitung überspannt werden sollte. In der Innenstadt hingegen müsste ein hoher Anteil der Strecke mit Batterie überbrückt werden.

Wo genau die Batterie die Oberleitung ersetzen soll, das ist Gegenstand der Studie, berichtet Rau. Nach seinen Worten geht es nicht mehr um die Frage des „Ob“, sondern um das „Wie“.

In Marburg verkehrten bis zum Jahr 1968 Busse mit Oberleitungen

Rau, Geschäftsführer der für den Nahverkehr zuständigen Stadtwerke-Tochter Stadtwerke­ consult, bekennt sich klar zur Oberleitungs-Technologie. „Oberleitungsbusse gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren – diese Technik ist bewährt und unkompliziert“, heißt es in einer von ihm und Wolfgang Otto, dem Geschäftsführer der Marburger Verkehrsgesellschaft verfassten Strategieskizze. In Marburg gab es Oberleitungsbusse bis 1968.

Kritiker der Oberleitungs-Technik spötteln, eine fast 100 Jahre alte Technologie könne nicht zukunftsweisend sein. Aber, sagt Rau: Die Technik funktioniert. Zuletzt schauten sich Stadtwerke-Vertreter an, wie die Oberleitungs-Technik in Solingen in Nordrhein-Westfalen eingesetzt wird – mit überzeugendem Ergebnis, wie Rau berichtet.

Seine Überlegung sieht vor, etwa zehn Busse mit der Hybrid-Technik anzuschaffen. Für Fahrzeuge mit die Oberleitungstechnik und eine Werkstatt rechnet er mit Kosten von 30 bis 40 Millionen Euro. 80 Prozent davon wären förderfähig, mit anderen Worten: würden möglicherweise vom Bund bezahlt. Für Stadt oder Stadtwerke blieben Kosten von maximal acht Millionen Euro, eine für einen Technologiewechsel überschaubare Investition.

Die Infrastruktur (Oberleitung, Unterwerke) hat nach bisherigen Untersuchungen wohl eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren. Sie kann auf der Strecke Mehrnutzen bieten: zum Beispiel als Smart-Grid (Intelligentes Stromnetz, das Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von Strom aufeinander abstimmt) oder zum Betrieb öffentlicher Elektrotankstellen an der Straße.


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