Staffelstab weitergeben

VORTRAG Unternehmer sollten Nachfolge rechtzeitig regeln

Referent Dirk Köntje verglich die Betriebsübergabe mit der Übergabe eines Staffelstabes an den nächsten Läufer. (Foto: Rühl)

Vor allem mittelständische Unternehmen sind von offenen Nachfolgefragen betroffen. Betriebsinhaber müssten rechtzeitig nach einem Nachfolger suchen oder junge Leute im eigenen Betrieb dafür aufbauen. Diese Ansicht äußerte der Unternehmer Dirk Köntje aus Lindlar bei Köln. Er selbst habe durch seine Frau Anne in eine Unternehmerfamilie eingeheiratet, wo der Inhaber noch mit 78 Jahren die Leitung innehatte. Köntjes Schwiegervater Georg Albrecht-Früh hatte schon mit 17 Jahren den Betrieb nach dem plötzlichen Tod seines Vaters übernehmen müssen. Die Nachfolgefrage konnte er nicht klären. Deshalb habe der heute 89-jährige Seniorchef immer weitergemacht, berichtete Köntje während seines Vortrags vor rund 50 Unternehmern und Managern in der Wetzlarer Stadthalle.

Köntje: Wer die gesamte Strecke läuft und den Staffelstab dann fallen lässt, handelt kurzsichtig

Er sprach im Rahmen des Forums Mittelhessen, das die Vereinigung „Christen in der Wirtschaft“ organisiert. Claudia Drechsel von der Leitung des Forums berichtete, dass es in ihrer norddeutschen Heimat selbstverständlich war, dass der älteste Sohn den bäuerlichen Betrieb übernahm. In dem Krankenhaus, in dem sie beschäftigt war, wurde sie schon nach einem halben Jahr Stationsleiterin, als die Vorgängerin ausfiel. Da habe es keine Vorausplanung gegeben.

Köntje schilderte, dass es sich bei dem Betrieb, den er gemeinsam mit seiner Frau seit dem Jahr 2000 leitet, um ein Unternehmen in den Bereichen Behälterbau und Blechbearbeitung handelt. Der Firmeninhaber der W. Albrecht GmbH habe 1988 ein 10 000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft, obwohl es keinen Nachfolger gab.

Köntje hatte einen Staffelstab mitgebracht, um die Zuhörer im Vergleich mit dem Sport an das Thema Nachfolge heranzuführen.

Wer die gesamte Strecke läuft und zum Schluss den Staffelstab fallen lässt, handele zu kurzsichtig. „Haben Sie Ihr Team durch eine schlechte Übergabe in Schwierigkeiten gebracht?“, fragte Köntje direkt. „Wenn wir unseren Kindern Aufgaben übertragen, ist das so ähnlich, wie die Nachfolge zu regeln“, bemühte er ein anderes Bild.

Der Referent sprach sich dafür aus eine Kultur zu entwickeln, in der junge Menschen gerne Nachfolger sind. Die Nachfolgeregelung solle dem Betriebsinhaber ein Herzensanliegen sein. „Nun, da ich alt und grau bin, verlass mich nicht, o Gott. Lass mich von deiner Macht auch der kommenden Generation noch erzählen und von deiner Kraft allen, die nach mir kommen“, zitierte er aus Psalm 71, Vers 18.

Unternehmer sollten sich freuen, wenn das „Rennen“ weitergeht. Macht und Egoismus verhinderten aber, dass Leiter den richtigen Moment für den Aufbau eines Nachfolgers verpassten. Ein Chef sollte zum richtigen Zeitpunkt das Unternehmen verlassen und dem Nachfolger vertrauen. Das sei besser, als tot hinausgetragen zu werden. Zudem erwerbe sich ein Unternehmer durch das Ausscheiden Achtung und Ehre und werde bei dem Nachfolger weiterhin als Berater geschätzt.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet