Streit ums Maskottchen

HOCHSCHULE Kritik am Allgemeinen Studierendenausschuss

Die Rede ist von einem Ganzkörper-Maskottchen-Kostüm des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Justus-Liebig-Universität (JLU). Es kam jetzt bei der Begrüßung von Studienanfängern erstmals zum Einsatz. Asta-Sprecher Felix Döring (Jusos) spricht von einer "durchweg positiven Resonanz".

Kritiker sprechen von einem politischen Bankrott

Anders sieht das aus bei der ebenfalls im Studierendenparlament (Stupa) vertretenen Oppositionsliste "Unsere Uni". In einer Erklärung wird dort die Frage gestellt, was für ein Publikum eigentlich mit diesem "dümmlich lachenden Ganzkörperkostüm" gewonnen werden soll. Wolle man so auf sich aufmerksam machen, "kommt das einer politischen Bankrotterklärung gleich".

Nicht zuletzt richtet sich die Kritik gegen den durchaus stolzen Anschaffungspreis von 2675 Euro inklusive Ständer zum Aufhängen des Kostüms, das dem Asta-Logo nachempfunden ist. Bei der Liste hätte man es lieber gesehen, wenn das Geld für die Wiedereinführung "einer an anderen Universitäten üblichen Zeitung der Studierendenschaft" verwendet worden wäre.

Felix Döring räumt ein, die Kritik "in Teilen nachvollziehen" zu können. Zumal es schon keine geringe Summe ist, die hierfür aus dem Haushaltstopf für Investitionen zur Verfügung gestellt wurde.

Allerdings überwiegt für ihn eindeutig der Nutzen. Zudem verweist der Lehramtsstudent auf das Votum innerhalb des von den Jusos dominierten Asta, von denen sich alle Mitglieder bis auf zwei Enthaltungen für die Anschaffung entschieden hätten. "Wir möchten damit erreichen, dass der Asta in der Studierendenschaft besser wahrgenommen wird", erklärt Döring. Denn es sei "leider bittere Realität", dass die Mehrheit der mittlerweile rund 27 000 Kommilitonen kaum etwas bis gar nichts über die hochschulpolitische und andere Arbeit von Asta und Stupa, den höchsten Gremien zur studentischen Interessenvertretung, wüssten. Was sich dann in der alljährlich niedrigen Beteiligung an der Stupa-Wahl von etwa 20 Prozent niederschlägt. Maßnahmen in der Vergangenheit zur Verbesserung der Situation hätten indes keine Erfolge gezeigt. Umso mehr verspricht er sich das jetzt von dem aufsehenerregenden Maskottchen , das aus seiner Sicht "effektiver in den Köpfen bleibt". Von daher sieht Döring "keinen Widerspruch" zwischen dem Kostüm und ernsthafter politischer Arbeit, die aus seiner Sicht eben "nur dann erfolgen kann, wenn man auch wahrgenommen wird".

Die Liste "Unsere Uni" wirft dem Asta -Sprecher derweil vor, bei der letzten Stupa-Sitzung im August nicht über den Kauf des Kostüms berichtet zu haben. Und das, obwohl der Beschluss bereits Mitte Juni gefallen sei.

Dem entgegnet der Referent für Hochschulpolitik, dass dem Studierendenparlament nur Anträge ab einer bestimmten finanziellen Höhe vorzulegen sind, die etwa dem Doppelten der jetzt 2675 Euro entspricht. Bei der Liste denkt man derweil darüber nach, den innerhalb des Asta erfolgten Antrag vom Ältestenrat überprüfen zu lassen.

Unterdessen hat der Asta der Justus-Liebig-Universität bereits das nächste Projekt umgesetzt, um seine Arbeit stärker ins Blickfeld der Studierenden zu rücken. So hat man laut Döring für 800 Euro ein Video produzieren lassen, das unter anderem Studienanfängern gezeigt wird und auch auf der Asta-Homepage steht. "Das kommt eher an als das Lesen eines dreiseitigen Dokuments", ist er überzeugt.


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