Teufelsabbiss fühlt sich in Niederhörlen wohl

WANDERUNG Bedrohte Pflanzenart gedeiht auf geschützten Wiesenauen

Die Teilnehmer der Wanderung durchstreifen die Wiesenaue und müssen dabei auch schon mal einen Wassergraben überwinden. (Foto: Valentin)

Zu dieser hatte der Landkreis zusammen mit dem Naturpark Lahn-Dill-Bergland eingeladen.

Als Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet (FFH) unterliegt die Wiesenaue bestimmten naturschutzrechtlichen Regelungen. So darf dort nur eine extensive Bewirtschaftung betrieben werden.

Das bedeutet, dass einmal pro Jahr zu bestimmten Zeitpunkten gemäht und das Mähgut abgetragen werden muss. Grundsätzlich darf nicht gedüngt werden. Ziel der extensiven Bewirtschaftung ist es, diese Wiesen als natürlichen Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Den Effekt konnten die rund 50 Teilnehmer an der Wanderung mit eigenen Augen erleben. Immer wieder präsentierte ihnen Schwab seltene Pflanzen und Kräuter, die dort vor allem aufgrund der speziellen Bewirtschaftung vorkommen - darunter das Johanniskraut oder der Frauenmantel.

Pflanze verdankt Namen der Wurzel

Als außerordentlich bezeichnete der Botaniker die Menge an Teufelsabbiss, die er in den Wiesen vorfand. Die Pflanze trägt ihnen landläufigen Namen aufgrund ihrer Wurzel, die wie abgebissen aussehe, erklärte Schwab. Sie steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten, fühlt sich auf den Wiesenflächen aber sichtlich wohl, wie ihre Ausbreitung verdeutlicht.

Schwab wies allerdings nicht nur auf Pflanzen hin, sondern gab auch den Landwirten Tipps. Deren Maschinen würden immer größer und schwerer. Je früher im Jahr sie damit auf die Wiesen führen, desto mehr verdichteten sie dort den Boden. Das wiederum begünstige das Wachstum der Binsengräser, die vom Nutzvieh nicht verzehrt werden. Ein zu frühes Ausfahren auf die Felder verschlechtere also die Futterqualität der Mahd, so Schwab.

Neben den Pflanzen bieten die FFH-Wiesen zwischen Nieder- und Oberhörlen auch seltenen Vogelarten einen idealen Lebensraum. Das erklärte Erich Sänger den Wanderern. So seien in den Wiesen sechs Brutpaare Feldlerchen beobachtet worden. Noch bemerkenswerter sei aber das Vorkommen des Wiesenpiepers. Der Vogel sei sehr selten und in unseren Breiten nahezu ausgestorben. Kurz vor der Wanderung habe er jedoch noch einen beobachten können, sagte Sänger. (val)


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