Tieren mit Nadeln helfen

SERIE Christine Konrad löst Muskelverspannungen bei Pferden

Christine Konrad ist Handwerkerin - im übertragenen Sinne: Mit einer Hand fasst sie unter den haarigen Bauch von Dude Chex. Der 30 Jahre alte Quarter-Horse-Wallach leidet unter Arthrose. Mit der andern tastet die Rechtenbacherin oben über das Hinterteil des Pferdes, die Kruppe, findet den von ihr gesuchten Punkt und übt sanften Druck aus.

Das Pferd wölbt den Rücken nach oben und entspannt sich dann wieder.

Der Wallach lässt die Prozedur über sich ergehen, und das offenbar gerne, denn schon nach einer kurzen Zeit senkt er den Hals, lässt die Unterlippe hängen, beinahe so als würde er im Stehen schlafen.

An den so genannten Triggerpunkten merkt die Osteopathin, wo es beim Patienten klemmt

"Oft ist es nicht die Arthrose an sich, die den Pferden Schmerzen bereitet. Sie bedingt sie nur", erklärt Christine Konrad. Die Tierärztin aus dem Hüttenberger Ortsteil Rechtenbach hat sich auf die alternative Behandlung solcher Probleme spezialisiert.

"Durch die Gelenkschmerzen nehmen die Tiere oft eine Schonhaltung an. Und durch die gibt es dann Verspannungen der Muskulatur", fasst sie ihre Erfahrungen zusammen.

Um die zu lösen, gibt es neben der manuellen Therapie auch die Möglichkeit, Akupunkturnadeln oder elektronische Geräte einzusetzen, die den gleichen Effekt haben. 

Zuvor aber, muss die Veterinärmedizinerin feststellen, wo das Problem liegt. Deshalb hat sie Dude Chex erst einmal mit seiner Besitzerin Irmgard Meyer in Marsch gesetzt. Auf einem sandigen Zirkel gehen beide ein paar Runden.

Die Tierärztin beobachtet, wie sich das Pferd bewegt, wie es die Hufe aufsetzt, wie sich dabei die Hüfte bewegt. Im engen Zirkel schaut sie, ob das Tier den Hals ausreichend biegt, die Wirbelsäule beweglich ist.

Bei Dude Chex, der schon seit 23 Jahren auf dem Hof am Ortsrand von Vollnkirchen lebt, geht das alles nicht mehr so gut. "Das darf er in dem Alter auch", sagt Christine Konrad.

Schließlich hat er seine besten Zeiten schon hinter sich und ist jetzt sozusagen in Rente, frisst sein Gnadenbrot auf den Wiesen und wird ab und zu spazieren geführt.

"Gerade dann, wenn es im Alter nicht mehr so gut geht, ist es wichtig, den Pferden ein Stück Lebensqualität zurückzugeben", sagt Christine Konrad.

Viele Pferde, so auch Dude Chex, haben Probleme mit dem Kreuz-Darmbein-Gelenk. Der Punkt am hinteren Pferderücken, der auch   Ileosacralgelenk genannt wird, ist in Wirklichkeit kein echtes Gelenk, sondern die Verbindung von Becken und Wirbelsäule, die durch Bänder und stabilisierende Muskeln zusammengehalten wird. 

Oft liegt es an Verkrampfungen und Blockaden in diesem ungewöhnlichen Gelenk, wenn Pferde beim Laufen Schmerzen haben und nicht gerne gehen.

Doch nicht nur dieser Punkt ist wichtig. Christine Konrad tastet zur Diagnose vom Hals abwärts eine ganze Anzahl so genannter Triggerpunkte mit den Händen ab. An ihnen fühlt sie, ob es Muskelverspannungen gibt.

Schon auf  sanfte Impulse reagiert das Pferd, seien die Punkte nun am Hals entlang der Wirbelsäule oder anderen Stellen.

Mit der Methode lässt sich auch feststellen, ob etwa ein schlecht sitzender Sattel Ursache der Probleme ist. 

Natürlich lassen sich nicht alle Gebrechen mit Akupunkturnadeln und osteopathischem Händedruck heilen, weiß Christine Konrad, die die klassische Tiermedizin gelernt hat.

"Wenn es aber ohne Medikamente geht, dann ist das allemal besser für das Tier", ist sie sicher.


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