Totfangfalle am Wegesrand gegen den Hühnerdieb

Prozess 64-jähriger Angeklagter wegen Tierquälerei und Wilderei vor Gericht / Aussagen zweier Polizisten blei

Der Mann soll im Juli 2018 einen Fuchs mit einer Totfangfalle, einem sogenannten Tellereisen, gefangen und somit getötet haben, um seine Hühner zu schützen – so lautete zunächst die Anklage, die dem Mann aus Ehringshausen vorgehalten wurde. Damit soll er gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben, da der Fuchs einen qualvollen Tod sterben musste. Schon das Auslegen derartiger Fallen ist verboten. Gegen diese Vorwürfe hatte der in Trennung lebende Ehringshäuser Einspruch eingelegt – erfolglos, weshalb es überhaupt zum Prozess kam. Er selbst wollte vor Gericht keine Angaben zu den Anschuldigungen machen. So schwieg der Mann während des ersten Verhandlungstermins Anfang Juli.

Die Fotos der Zeugin, die die Polizeistation in Herborn erhalten hatte, zeigen besagte Falle. Zu sehen: ein toter Fuchs, der darin gefangen ist, sowie ein Huhn, das leblos auf der Wiese nebenan liegt. Zunächst anonym waren die Bilder mit Anzeige bei der Polizei eingegangen. Am ersten Verhandlungstag rekonstruierte ein junger Polizeibeamter den Tag, an dem er mit einem Kollegen zum Grundstück des Angeklagten fuhr, um nach dem Tellereisen zu sehen und den Mann zu stellen. Doch die Schilderungen des 21-Jährigen waren ungenau und er konnte sich nicht an entscheidende Sachlagen erinnern.

Ein Fortsetzungstermin war ohne Aussage des Beschuldigten und mit der vagen Aussage des Beamten nötig. Es erschien eine 54-jährige Friseurin – sie hatte die Fotos gemacht und den Mann anonym angezeigt. Die Frau schilderte: „Ich war gegen 5 Uhr morgens mit meinem Hund spazieren, da entdeckte ich diese Falle am Wegesrand.“ Empört zückte sie laut eigener Schilderung ihr Handy und fotografierte den Sachverhalt. „Dort gehen regelmäßig Fußgänger, Kinder und Hunde spazieren“, sagte die Friseurin vorwurfsvoll unverantwortlich sei so etwas.

Will jemand dem Angeklagten schaden?

Zuvor hatte die Frau solch eine Falle noch nie gesehen, auch nicht auf dem Grundstück des Angeklagten. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin gab sie an, sie habe zunächst anonym bleiben wollen, da sie in der Vergangenheit schon einmal eine negative Erfahrung mit dem Angeklagten gemacht habe. „Ich habe mich nicht getraut, ihn darauf anzusprechen“, gab sie im Zeugenstand an. Er sei ein Mensch, der schnell laut werde.

Am zweiten Verhandlungstag erschien zudem ein weiterer Polizeibeamter, der den Angeklagten vergangenes Jahr aufgesucht hatte, nachdem die Bilder der Falle bei ihm eingegangen waren. Der 46-jährige Polizist gab die damalige Situation auf dem Grundstück des 64-Jährigen ebenso wie sein 25 Jahre jüngerer Kollege bruchstückmäßig wider: „Wir fanden ein totes Huhn auf der Wiese und einen Abdruck im Gras, der in meinen Augen der Abdruck einer solchen Totfangfalle gewesen sein kann.“ Der Polizist erinnert sich daran, dass er dem Angeklagten die Fotos gezeigt und dieser erschrocken reagiert haben soll – dies sei aber eine rein subjektive Wahrnehmung gewesen. Fuchs oder Falle hätten zum Zeitpunkt des Eintreffens der Beamten nicht auf der Wiese des Angeklagten gelegen, der sich zu den Vorwürfen nur insofern äußerte, als dass er sagte: „Gegen den Fuchs kann man nichts anderes machen“, wie der Polizist im Zeugenstand sinngemäß zitierte.

Ob der 64-jährige Angeklagte die Totfangfalle tatsächlich selbst aufgestellt hat, um seine Hühner vor einem Fuchsangriff zu bewahren, oder ob ihm jemand etwas Böses anhängen will, bleibt demnach laut Verteidigung vorerst unklar. Am Montag, 12. August, soll der Prozess fortgesetzt und wohl auch beendet werden. (ale)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet