Über Facebook sexuell belästigt

GERICHT Prozess mangels Beweisen gegen einen Biedenkopfer vertagt

Nicht klären ließ sich gestern vor dem Amtsgericht in Biedenkopf, ob der Angeklagte, unter dessen Namen über einen Facebook-Account Kontakt zu Minderjährigen geknüpft wurde, auch der Nutzer war. (Foto: Archiv)

Nachdem er drei der betroffenen Mädchen als Zeuginnen vernommen hatte, sah sich Richter Mirko Schulte noch nicht in der Lage, ein Urteil zu fällen. Über seinen Anwalt Volkhard Ferchland hatte der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung mitteilen lassen, dass er keinerlei Kontakt über das Internet zu den Mädchen gehabt habe und diese auch nicht kenne.

Sein Facebook-Account sei zum damaligen Zeitpunkt von einem ehemaligen Freund angelegt worden, der somit auch darüber Kontakt zu anderen aufgenommen haben könnte. Danach befragt, welches Interesse der Freund gehabt haben könnte, den fremden Account zu nutzen, antwortete der Angeklagte, dass sie sich damals bereits gestritten hätten. Auch betonte er, dass er versucht habe, sein Passwort zu ändern, was ihm jedoch nicht möglich gewesen sei.

Die drei Mädchen gaben in ihrer Befragung übereinstimmend an, dass sie mehrfach von einem Account unter dem Namen des Angeklagten angeschrieben worden seien. Sicher sein, dass es sich bei dem Nutzer auch tatsächlich um den Angeklagten handelte, konnten sie jedoch nicht.

Richter will noch Näheres über den üblichen Schreibstil des 28-Jährigen erfahren

Eine 14-Jährige gab sogar zu, dass sie anfangs gedacht habe, es handele sich um einen so genannten Fake-Account - ein Zugang, der unter falschem Namen angelegt wird. Erst als derjenige auch Fotos von sich eingestellt habe, habe sie angenommen, dass der Account echt sei, betonte sie.

Ihre 16-jährige Freundin gab darüber hinaus zu, dass sie nach den Vorfällen selbst einen solchen Fake-Account unter falschem Namen angelegt habe, um "zu schauen, ob wir noch mehr aus ihm herauskriegen". Und das dritte Mädchen wurde sogar auf dem Handy angerufen, wobei sich der Anrufer mit dem Namen des Angeklagten gemeldet habe. Trotzdem reichten die Aussagen nicht, um ein Urteil zu fällen, sagte Schulte. Deswegen vertagte er den Prozess und will nun in der Wohnung des Angeklagten, der zurzeit eine Freiheitsstrafe in der JVA Frankfurt verbüßt, nach Schriftstücken suchen, anhand derer dessen Schreibstil nachvollzogen werden soll.

Vielleicht seien dadurch Rückschlüsse möglich, ob es sich bei den sichergestellten Chatprotokollen um die des Angeklagten handelt. Bevor die Sitzung vertagt wurde, wies Ferchland auf ein Gutachten hin, das seinen Mandanten entlaste. Demnach seien auf den sichergestellten Datenträgern des Angeklagten weder pornografische Bilder noch verfahrensrelevante Daten gefunden worden.


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