Urteil fällt nach sieben Wochen

ÜBERFALL 21 Monate Jugendstrafe

Ein 22-Jähriger aus Kirtorf wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Beim Haupttäter, einem nicht vorbestraften 18-jährigen Stadtallendorfer, befand die Kammer eine 21-monatige Jugendstrafe für besonders schweren Raub für angemessen. Ob er sie antreten muss oder auch sie zur Bewährung ausgesetzt wird, soll nach Überprüfung seines Verhaltens gemäß noch zu bestimmender Auflagen in einem halben Jahr entschieden werden, eine Besonderheit des Jugendstrafrechts.

"Wir kennen Sie noch zu wenig", begründete der vorsitzende Richter Thomas Wolf am Ende der Verhandlung. Ohne längere Vorbereitung und ohne dass er je strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, habe er eine sehr schwere Tat begangen. Das sei selten.

Duo läuft Polizei in die Arme

Wie sich das Geschehen am Abend des 27. November in Stadtallendorf abspielte, war schnell klar. Beide Angeklagten ließen über ihre Verteidiger Geständnisse verlesen, die im Wesentlichen mit den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft übereinstimmten. Demnach fuhren die beiden von der Wohnung des Älteren mit einem Motorroller nach Stadtallendorf, wo der 18-Jährige den 22-Jährigen aufforderte,  etwa 300 Meter entfernt von der Tankstelle zu warten. Dann ging er zum Tatort, drohte dem Mitarbeiter mit einer CO2-Pistole und zwang ihn die Kasse zu öffnen, aus der er 830 Euro entnahm. Er habe es für eine scharfe Waffe gehalten, sagte der Zeuge.

Anschließend fuhr das Duo zur Wohnung des Jüngeren, versteckte Kleidung, Beute und Waffe, bevor es zurück nach Kirtorf gehen sollte. Was alle Beteiligten als Dilettantismus werteten, war, dass sie dafür am Tatort vorbeifuhren, wo sie von der inzwischen eingetroffenen Polizei festgenommen wurden. Zuvor hatte der Stadtallendorfer dem 22-Jährigen noch 100 Euro übergeben.

Der 22-Jährige gab an, dass es seine Pistole war, die der Jüngere ohne sein Wissen dabei gehabt habe. Tage zuvor habe der 18-Jährige  ihn überreden wollen, zusammen einen Raubüberfall zu begehen, weil er Geld brauchte, um ein Mädchen, das er im Ausland kennengelernt hat, nach Deutschland zu holen. Er habe das abgelehnt, seinen Freund aber auch nicht ernst genommen.

Natürlich habe er spätestens vor der Tankstelle gemerkt, was passiert, sagte sein Verteidiger. Auch habe er sicher gewusst, wo die 100 Euro herkommen. Das Gericht wertete die Teilnahme letztlich als Beihilfe in einem minderschweren Fall.

Der 18-Jährige, hob Staatsanwalt Christian Laubach hervor, habe Glück, dass er noch in den Genuss des Jugendstrafrechts komme. Andernfalls wäre eine Strafe von fünf Jahren aufwärts herausgekommen. Beiden Angeklagten hielt er zu Gute, dass sie nicht einschlägig vorbestraft sind,  und befürwortete auch für den 18-Jährigen Bewährung.

Darüber wollte die Jugendkammer aber nicht sofort entscheiden. Laut Wolf will sie in den nächsten Tagen mit dem jungen Mann in Kontakt treten. Der Haftbefehl, seit seiner Festnahme saß er in Untersuchungshaft, wurde jedoch aufgehoben, sodass er nach der Verhandlung den Gerichtssaal ohne Handschellen verließ. Der 22-Jährige muss als Bewährungsauflage 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich um Arbeit bemühen. (kse)


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