Vater und Sohn versöhnen sich

GERICHT Prozess um versuchte Tötung durch Stoß in einen Fischteich

Gleich zweimal hintereinander soll er den Vater mit erheblichem Kraftaufwand in voller Montur in den 2,50 bis drei Meter tiefen Teich gestoßen haben. "Das ist versuchter Totschlag", sagte Oberstaatsanwältin Angela Muth.

Am Abend des 4. Mai soll es zwischen beiden Männern zu einem verbalen Streit gekommen sein. Angeblich soll der Sohn dem Vater eine Schleifmaschine entwendet und ihn deshalb zur Rede gestellt haben. Dieser Streit sei in solcher Weise eskaliert, dass der Sohn "Ich kotze in dein Grab…" (so oder ähnlich) gerufen haben soll und beim Verlassen des Grundstücks "Eigentlich müsstest du noch einmal baden gehen…"

Der Angeklagte berichtete von einer guten Kindheit und von einem überwiegend harmonischen und schönen Familienleben mit seinen Eltern und drei Geschwistern. Mit dem Vater habe es hin und wieder Spannungen gegeben, "betrieblicher und familiärer Art". Konkrete Beispiele konnte oder wollte der jetzt 45-Jährige nicht nennen. "Ich konnte mit meinem Vater nicht viel reden. Er ist dominant und alles musste nach seiner Pfeife tanzen. Was er sagte, war Gesetz", beschrieb ihn der Angeklagte. Der gelernte Bäcker arbeitete über zehn Jahre im früheren Betrieb seines Vaters.

Konflikte untereinander konnten sie nach Darstellung des Sohnes nicht austragen. Sie seien sich aus dem Weg gegangen, und Anweisungen des Vater seien über seine Mutter gelaufen. So war dieser offenbar nicht damit einverstanden, dass der Sohn, geschieden und Vater zweier Kinder, Unterhaltszahlungen nicht entrichtet und beim Jugendamt Schulden hatte. Auch sollte der Sohn eine Garage mit seinen Sachen auf dem Gehöft ausräumen, was der Sohn nicht befolgte. "Er war sehr aufgebracht", beschrieb der Angeklagte den Vater.

Der 45-Jährige räumte ein, dass es bei jenem Aufeinandertreffen am Teich zur handfesten Auseinandersetzung gekommen war. Der Vater habe ihn am T-Shirt gepackt und er den Vater geschubst, daraufhin sei der rückwärts in den Teich gefallen.

"Das war schlimm für mich", sagte er. Und er sagte aus, dass es bei dem einen Mal geblieben sei.

Zwei junge Männer, die in diesem Moment mit dem Auto auf den Hof gefahren waren, sahen nur noch, wie der Senior nass aus dem Teich die Böschung hinauf krabbelte. Der Mann war ziemlich unterkühlt, der Sohn fuhr weg und habe noch ein paar böswillige Äußerungen von sich gegeben.

n "Er ist und bleibt mein Sohn. Ich möchte mich nicht weiter äußern"

Der Vater machte vor Gericht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. "Er ist und bleibt mein Sohn. Ich habe bei der Polizei alles gesagt, ich möchte mich nicht weiter äußern", beendete er seine Zeugenaussage. Der Sohn entschuldigte sich unter Tränen beim Vater. Er hatte dem Vater vorgeworfen, dieser habe schuld an der Krankheit der Mutter. Schließlich sollte sich herausstellen, dass der Sohn von einer längere Zeit zurückliegenden schweren Erkrankung seines Vaters nichts mitbekommen hatte. Der Vater zum Sohn: "Ich habe mit deiner Mutter alles für euch getan."

Der Vater fragte das Gericht um Erlaubnis, seinem Sohn die Hand drücken zu dürfen und ging zu ihm hinauf zur Anklagebank. Beide Männer umarmten sich eine Zeit lang und erhielten in einer anschließenden Sitzungspause vom Gericht die Möglichkeit einer persönlichen Aussprache. Auch die Mutter machte von ihrem Recht Gebrauch, gegen ihren Sohn keine Aussage zu machen. Sein Bruder sagte aus und schilderte den Angeklagten als einen Mensch, der mit Vorsicht zu genießen sei, vor dem man Angst haben könne.

n Der Prozess vor dem Limburger Landgericht wird fortgesetzt.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet