Viel Konfetti - aber früher mehr Lametta

Kultur Poeten liefern sich beim neunten "Scheunen-Slam" in Herborn einen wortgewaltigen Wettstreit

Setzte beim „Scheunen-Slam“ auch modische Akzente: Sascha Kirchhoff war einer der beiden Moderatoren. (Foto: Berns)

Tolle Performance: Leticia Wahl aus Marburg begeisterte das Publikum und wurde am Ende des Wettstreits gemeinsam mit der Herbornerin Angi Seel zur Siegerin ausgerufen. (Foto: Berns)

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Sparen war bei diesem „Scheunen-Slam“ angesagt, zumindest bei der Publikumsjury, die nur selten wirklich hohe Punktzahlen vergab. Die Zuhörerschaft hingegen schien in großen Teilen hellauf begeistert, auch wenn einige kritische Stimmen der Meinung waren: „Früher war mehr Lametta.“

Dafür gab es jede Menge Konfetti, das Moderator Sascha Kirchhoff aus zwei Kanonen regnen ließ. Zusammen mit Moderationskollege Marco Michalzik wusste er am Ende des Slams auch noch modische Akzente zu setzen. Und passend zu „Halloween“ gab sich ein „Horror-Clown“ als „Running Gag“ auf der Bühne die Ehre.

Wortreich wusste hingegen der Frankfurter Raban Lebemann zu überzeugen. Sein Text über eine Geburtstagsfeier auf dem Land parodierte dörfliche Stereotypen inklusive eines Helene-Fischer-Doubles. Eine echte Erscheinung war Micha-El Goehre aus Bielefeld, der mit Mega-Haarmatte den Tagebucheintrag eines Black-Metal-Jüngers zum Besten gab.

Verbale Kreationen wie der Spieleabend, bei dem unter anderem „Die Siedler von Sodom“ auf dem Programm standen, hätten dabei durchaus mehr Jurypunkte verdient gehabt.

Jan Cönig (Frankfurt) berichtete vom WG-Ausflug nach Malle, dem ständig betrunkenen Antagonisten von Mallorca, während Maria Schwab aus Eibach einen sehr impressionistischen und sphärischen Text mit dem Titel „Ich habe ganz vergessen, welche Farbe deine Augen haben“ vortrug.

Am Ende haben Angi Seel aus Herborn und Leticia Wahl (Marburg) die Nasen vorn

Ins Finale kamen schließlich Jan Schmidt aus Siegen, Leticia Wahl aus Marburg und Angi Seel aus Herborn. Schmidt, der schon öfters beim „Scheunen-Slam“ zu Gast war, sorgte mit seinen herrlich absurden und bisweilen etwas bösen Texten („Laura ist ein bisschen wie Lasagne. Sie muss nicht gut aussehen, schmecken muss sie“) für ausgelassene Stimmung. Angi Seel hatte ihr Slam-Ticket über die Herborner „Schreibwerkstatt“ gelöst. Bei ihrem Premierenauftritt in der „KuSch“ begeisterte sie mit tiefgründigen Texten. Großartig, auch hinsichtlich der Performance, war Leticia Wahl, die unter anderem ein in der Auseinandersetzung mit Erich Fromm entstandenes „Liebesgedicht an mein eigenes Herz“ vortrug.

Das Publikum, das am Schluss über den Sieg entscheidet, hatte beide Slam-Poetinnen ins Herz geschlossen, und so blieb den Moderatoren und Organisator Andy Klein nichts anderes übrig, als Seel und Wahl beide als Siegerinnen zu verkünden.

Eindrucksvoll und bewegend waren erneut die Texte der Herborner Rehbergschüler, die Helene Siliki und Rainer Staska als „Stimmgeber“ vortrugen.

Der elfte Scheunen-Slam hatte zudem musikalisch etwas zu bieten: Anna Walterscheid (Herborn) und Leo Laumann (Sinn) traten zu Beginn und nach der Pause auf und überzeugten die Gäste unter anderem mit interessanten Interpretationen von „Hate me“ („Blue October“) oder „Wicked Game“ (Chris Isaak).


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