"Viel trinken und viel Bewegung"

"DIREKTER DRAHT" Dr. Marc Wolfram beantwortet Fragen zu urologischen Erkrankungen

Eine 79-jährige Frau aus Wetzlar klagte über Inkontinenz. Seit vielen Jahren habe sie ein bestimmtes Medikament dagegen in verschiedenen Dosierungen eingenommen, jedoch ohne Erfolg. Seit ein paar Wochen nehme sie ein anderes Medikament, auch ohne Erfolg. Was könne sie noch tun, um wieder ein normales Leben führen zu können, fragte sie Dr. Wolfram. Sie sei nicht gynäkologisch voroperiert, nur untersucht. Ihr Gynäkologe schickte sie zum Urologen und von ihm habe sie die Tabletten. Der Urologe habe festgestellt, dass sie eine chronische Blasenentzündung habe, die der Gynäkologe leider bei allen Untersuchungen nicht festgestellt habe. Jetzt müsse sie fünf Wochen lang Antibiotika nehmen. Sie müsse alle zehn Minuten auf die Toilette und traue sich kaum mehr aus dem Haus. Die Portion, die sie verliert, passe in einen großen Eierbecher. Eine unauffällige Blasenspiegelung sei bereits gemacht worden. Eine Blasensenkung habe sie keine. Beckenbodengymnastik mache sie seit Jahren jeden Tag.

"Dann ist eigentlich alles gemacht", sagte der Urologe. Ob nicht etwas operativ gemacht werden könnte, fragte die 79-Jährige. Wenn man so etwas operativ angehen möchte, müsste man vorher noch weitere Untersuchungen machen, sagte Dr. Wolfram. Zum Beispiel müsse eine Blasendruckmessung gemacht werden. Was für eine Operation ansteht, könne man festlegen, wenn man die Messergebnisse hat. Wenn sich die Blase komplett entleert und wenn es eine Stress-Inkontinenz ist, dann könne man ein Bändchen einsetzen.

"Bei Botox besteht die Gefahr, dass Sie kein Wasser mehr lassen können"

"Wenn das aber eine Drangblase ist und der Schließmuskel in Ordnung ist, dann operiert man das nicht", erklärte Marc Wolfram. Dann würde man versuchen, die Blase mit einem Medikament zu hemmen. Sie habe gehört, dass man auch Botox in den Blasenmuskel spritzen könne. Das bestätigte der Urologe, aber dazu müsse man die Blasendruckmessung machen, um zu sehen, welche Form die Inkontinenz hat. Denn es gebe zwei Formen, die unterschiedlich behandelt werden müssten.

Wolfram riet ihr zu einem Gynäkologen in die Klinik nach Wetzlar zu gehen, um sich untersuchen zu lassen. Nach einer erneuten Messung könne dann Botox injiziert werden. "Aber es besteht auch die Gefahr, dass sie kein Wasser mehr lassen können und ein Katheter gesetzt werden muss", warnte er. Das müsse man wissen, wenn man sich auf so etwas einlässt.

Er sei nach der Behandlung von Prostatakrebs inkontinent geworden, sagte ein 72-jähriger Mann aus Haiger. Er sei vor drei Jahren operiert worden und gehe regelmäßig zur Nachsorge. In der Reha lernte er Beckenbodengymnastik, die er daheim mache. Im Sitzen und Liegen verliere er wenig Urin. Der vermehrte Verlust sei beim Spazierengehen und bei Belastung. Er fragte, ob er das mit herkömmlichen Mitteln in den Griff bekommen könne. Man sollte sich die Funktion des Schließmuskels bei einer Blasenspiegelung anschauen, erläuterte Dr. Wolfram. Ansonsten sei das nach einer solchen Operation durchaus möglich, dass so ein Zustand bleibt. Das allerwichtigste sei die Beckenbodengymnastik. Man könne versuchen, ein Band unter die Harnröhre zu legen, das dürfte aber nur in einer Klinik mit viel Erfahrung erfolgen. Wenn es falsch eingelegt wird, könnte es sein, dass man hinterher einen noch größeren Schaden habe.

Bei ihr habe man im November einen drei Millimeter großen Nierenstein festgestellt und der strahle in den Rücken aus, erzählte eine 60-Jährige aus Runkel. Sie trinke drei Liter Nieren- und Blasentee täglich. Sie fragte, ob es Medikamente gegen den Nierenstein gibt. "Wenn der bei der Größe fest in der Niere sitzt, kann er eigentlich keinen Schmerz machen", sagte Wolfram. Schmerzhaft werde es erst, wenn er wandert und sich im Harnleiter verklemmt. Drei Millimeter sei spontan abgangsfähig, wenn er sich lösen sollte. "Viel trinken und viel bewegen ist richtig", meinte der Arzt. Er riet ihr zu Zitrussäften, damit der Urin basischer wird, darin lösten sich die Steine auf. Es gebe auch Medikamente, die den Harn alkalisieren. Eine Untersuchung alle drei Monat reiche aus, sagte Wolfram.


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