Vielfalt der Kirchenmusik erleben

KONZERTE Ein Abend zwischen Klassik und Moderne in Gießener Gotteshäusern

Die Kantorei der Petruskirche in Aktion. (Foto: Schultz)

Das Programm stellten zusammen Kantor Christoph Koerber und die Kantorinnen Marina Sagorski und Yoerang Kim-Bachmann.

Christoph Koerber legte in der Johanneskirche mit seinen Musikern einen blendenden Start hin. Man hörte das Vokalensemble "La dozzina polifonica" sowie die Vokalsolisten Gabriele Hierdeis (Sopran), Johanna Krell (Alt), Christian Richter (Tenor) und Johannes Wilhelmi (Bass), begleitet von einem Instrumentalensemble auf historischen Instrumenten.

Die Psalmvertonungen von Monteverdi (aus "Selva morale et spirituale") und Schütz (aus den Psalmen Davids) belegten höchstes Engagement und handwerkliche Qualität. Der geteilte Chor, eine Hälfte sang auf der Empore, schwang wunderbar zusammen, die Solisten glänzten mit bemerkenswerter Schönheit der Stimmen und makelloser Intonation - man genoss einen ungewöhnlich runden, kraftvollen Gesamtklang.

"Mehr Glanz fürs Gloria" versprach Gerhard Schulze-Velmede, Vorsitzender des evangelischen Dekanats Gießen in seiner Moderation. "Das Spektrum ist weiter als letztes Jahr, es handelt sich um klangprächtige und ausdrucksstarke Musik."

Nun ging es zur Bonifatiuskirche, der zweiten Station, wo ein Imbiss für die Besucher bereitstand, der im Schutz von Regenschirmen angenommen wurde. Musiziert wurden Werke von Fauré (Cantique de Jean Racine, op. 11), Reger (Kantate "Meinem Jesum lasse ich nicht"), Bruch (Gebet op. 60 Nr. 4) und Nystedt (Vertonung des Psalms 100 "Jauchzet dem Herrn, alle Welt"). Die Petruskantorei und Dorotea Pavone (Orgel) musizieren unter Leitung von Marina Sagorski, Solisten waren Gowoon Baek (Violine) und Renate Brügge (Viola).

Fritz Langs Film "Der müde Tod" brachte eine neue Ebene in den Abend

Im dominierenden Hall des Hauses hatten es Kantorei und Solistinnen schwer, sich durchzusetzen.

Nach der Romantik ging es in der Petruskirche in die Moderne. Ohne Zuschauerverlust lauschte man der Musik des 1934 geborenen Oskar Gottlieb Blarr. Er trug persönlich zwei seiner Orgelwerke vor. Schwungvoll, fast stürmisch war das.

Anschließend musizierte man Blarrs Kantate "Tangos & Choräle für Dietrich Bonhoeffer" aus 2005. Ein reichhaltiges Instrumentarium wirkte mit: Flöte, Posaune, Kontrabass, Percussioninstrumente, große Orgel, kleine Orgel, Cembalo, Schlagzeug sowie zwei Vokalsolisten. Dekanatskantorin Kim-Bachmann leitete felsenfest. Heraus ragte neben Gabriele Hierdeis Tenor Chulho Jang. Das Publikum genoss die Darbietung der Tangos.

Ralf Stiewe, scheidender Kantor, sorgte in der Bonifatiuskirche für einen weiteren Höhepunkt. Fritz Langs Film "Der müde Tod" (1921) brachte eine neue Ebene in den Abend. Stiewes improvisierte Orgelbegleitung (sein Abschiedskonzert) erwies sich als kongenial. Er nutzte effektvoll die Klangmöglichkeiten der neuen Orgel und verstärkte den Rhythmus und die emotionale Ebene des schaurig-dramatischen Films. Er fügte zitierend immer wieder volksliedhafte Elemente ein. Dabei verschmolzen Musik, Geschichte und Bild zu einer eindrucksvoll stimmigen Symbiose. Das verfehlte seine Wirkung nicht: Stiewe erhielt minutenlangen, donnernden Applaus.

Beachtlicher Andrang auch beim letzten Konzert, nach 23.30 Uhr: Zur "Sommernachtsträumerei" mit dem Vokalensemble "Cantus Aureus" war geladen. Es sangen Kerstin Bauer und Dorotea Pavone (Sopran) und Eva-Marie Gemeinhardt und Juliane Slotta (Alt); Pavone leitete.

Sehr feinfühlig musizierte man die Lieder, nuancenreich und mit tadelloser Geschlossenheit. So kamen die Themen der weltlichen und geistlichen Liebe in schönem Facettenreichtum zu Gehör; die Werke stammten von Verdi, Schuman, Brahms und anderen.


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