Von Römern, Franzosen und Deutschen

EUROPA Vortrag der DFG Wetzlar über Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der seit 1952 in Paris lebende Soziologe Hans Herth skizzierte vor 40 Zuhörern in einem launigen Vortrag die Geschichte beider Länder seit der Römerzeit und verglich historisches Geschehen mit aktuellen Entwicklungen. Einigkeit und Recht und Freiheit - Liberté, Égalité, Fraternité - die Unterschiede zwischen Einigkeit und Brüderlichkeit, Gleichheit und Recht zeigte Herth anschaulich an Beispielen.

Entlang des Rheins ging die Grenze zu weiten Teilen in der Römerzeit. Westlich durch die Römer zentral und imperialistisch organisiert, herrschten östlich des Rheins germanische Stämme. Thingplätze als Rechtsprechungsorte zeugen davon.

Von "oben" gegebene Anordnungen ohne Diskussion auszuführen, ist in der französischen Société normal, während in der deutschen Gesellschaft (abgeleitet aus dem althochdeutschen "in einem Saal sitzend") Konsens prägendes Merkmal ist.

Heute zeigt sich dies auch noch im unterschiedlich strukturierten Schulunterricht. In Frankreich ist der Frontalunterricht mit Einzelaufgaben vorherrschend, während in Deutschland Gruppenarbeit und Methodenwechsel bestimmend sind. Austauschschüler haben damit durchaus ihre Schwierigkeiten.

Zur Römerzeit wurden aus Gallien Massenprodukte nach Rom geliefert: Getreide, Gänse, Feldfrüchte. Germanien lieferte Schmiedewaren und Luxusartikel, Waren, die durch Spezialisten hergestellt wurden.

Dies wird heute deutlich im Arbeitsleben und in der gesellschaftlichen Produktion. Während Deutschland als Spezialist für Qualität und Innovation gilt, wird in Frankreich der Mehrwert meist durch Massenproduktion erzielt.

In einer Fragerunde wurde mit dem Publikum auf Aspekte unterschiedlicher Kinderbetreuung in den beiden Ländern eingegangen und unterschiedliche gewerbliche Ausbildungssysteme dargestellt.


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