Wärme und Bewegung helfen oft

DIREKTER DRAHT Rheumatologin Dr. Susanne Amann informiert über Gelenkschmerzen

Ein 74-Jähriger Leser aus Gladenbach berichtete über entzündete Zehen. Erst schwoll einer am linken Fuß an, dann einer am rechten. Mittlerweile aber gehen die Entzündungen zurück. Für die Fachärztin der Rheumaklinik Mittelhessen in Bad Endbach hört sich das Problem eher nach einer orthopädischen Erkrankung an. Zwar sprächen symmetrische Entzündungen oft auch für eine rheumatische Erkrankung, doch auch das könne über Blutuntersuchungen durchaus vorab geklärt werden.

 Ein Fall für die Rheumaklinik ist die 72-jährige Anruferin aus Dautphetal. Sie klagte über Schmerzen in vielen Gelenken des Körpers. Bei ihr ist eine Polymyalgia rheumatica nicht auszuschließen. Dabei handelt es sich um "Muskelrheuma", also eine gefäßentzündliche Erkrankung.

Die Schmerzen hat sie erfolgreich mit Kortison behandelt, nimmt derzeit nur noch eine geringe Dosis. Dr. Amann riet dazu, das Medikament auf jeden Fall weiter zu nehmen, auch wenn dies gerade bei einer vorhandenen Augenproblematik nicht unproblematisch ist.

 Über Knochenschmerzen verschiedener Art berichtete eine 72-jährige Leserin aus dem Lahn-Dill-Kreis. Geröntgt wurde sie schon und auch die Knochendichte sei gemessen worden. Ein Vit.D3-Präparat habe sie vier Wochen genommen, das habe ein wenig geholfen. Sie fragte wegen ihrer Herzschmerzen nun nach dem richtigen Medikament. Die Rheumatologin riet zu einem Präparat in geringerer Dosis.

Von einer Selbstmedikation mit Kalium riet sie dringend ab, da solle man schon mit dem Arzt Rücksprache halten.

 Viele Wärme und Bewegung hat die Ärztin auch einem 79-Jährigen aus Steffenberg geraten. Der klagte über Muskelschmerzen und Wadenkrämpfe. Angesichts der geschilderten Symptome könnte das alles für eine muskuläre Erkrankung sprechen. Auch diesen Leser machte sie darauf aufmerksam, dass Hausärzte oder Orthopäden durchaus das Notfallformular der Rheumaklinik abrufen und ausfüllen können, um bei akuten Erkrankungen auch kurzfristig eine ambulante oder stationäre Aufnahme zu erreichen.

Dann könne genau abgeklärt werden, welche Erkrankung vorliegt und welche Medikamente und Therapien im Einzelfall helfen.

 Einer 55-jährigen Frau aus Herborn riet die Rheumatologin angesichts der geschilderten Fibromyalgie doch einen Schmerztherapeuten aufzusuchen. Der könne bei dem vielschichtigen und durchaus schwierigen Krankheitsbild eine gezielte Behandlung vornehmen, die durchaus sehr umfangreich ausfallen könne.

Eigenverantwortung und die Motivation des Patienten dürfe nicht unterschätzt werden

Den Vitamin D-Mangel einer 52-jährigen Anruferin aus Gladenbach sah die Fachärztin weniger als Grund für heftige aber wandernde Gelenkschmerzen an. Dr. Amann vermutete da eher Muskelschmerzen. Sie machte aber auch deutlich, dass dies für viele Patienten nicht einfach zu unterscheiden ist. Denn die Muskeln strahlen mit ihrem Schmerz oft auf die nahen Gelenke aus und so schmerze dann beides.

 Einen Rat hat die Rheumatologin für alle Betroffene: Die Eigenverantwortung und die Motivation des Patienten dürfe nicht unterschätzt werden. Regelmäßige Bewegung sei ein ganz wichtiger Baustein in der Therapie. Trockene Wärme und Entspannungsübungen könnten zudem helfen, die Schmerzen zu lindern.


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