Wald wirft wieder Gewinn ab

FORSTWIRTSCHAFT Bad Endbach rechnet mit einem Plus von 34 000 Euro

Bei den Rodungsarbeiten für die fünf Windräder-Standorte am Hilsberg sind zwischen 500 und 600 Festmeter Holz angefallen. Eine Waldfläche etwa so groß wie zwei Fußballfelder musste weichen und wird an anderer Stelle wieder aufgeforstet. (Foto: Tietz)

Ein ganzjährig befahrbares Wegenetz ist die Voraussetzung für einen reibungslosen Holzverkauf. Für die Wegeunterhaltung plant die Gemeinde Bad Endbach 1500 Euro ein - das sind 1,6 Prozent der Gesamtkosten für den Forst. (Foto: Tietz)

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"Der Holzmarkt ist hervorragend", sagte Forstamtsleiterin Sigrid Krawielitzki am Montagabend in der Sitzung des Bad Endbacher Haupt- und Finanzausschusses. Zusammen mit Revierförster Siegbert Rössler stellte sie den Parlamentariern sowie Bürgermeister Markus Schäfer (CDU) den Forstwirtschaftsplan für den Gemeindewald im Detail vor.

Vor allem die Nadelbäume Fichte und Douglasie bringen derzeit gute Preise. Aber auch die "rustikalen Qualitäten" der Eiche seien nach wie vor gefragt, erklärte Sigrid Krawielitzki. Abstriche müssen dagegen bei der Buche gemacht werden. "Von deren Qualität werden wir in Bad Endbach nicht gerade verwöhnt", so die Forstamtsleiterin. Die Buche dient vor allem als Energieholz. "Das Interesse an Brennholz hat gewaltig zugenommen", berichtete Krawielitzki.

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Laut Hiebsatz - der Wert legt die durchschnittliche Einschlagmenge pro Jahr fest - dürften in Bad Endbach 3009 Festmeter Holz geerntet werden. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter Holzmasse ohne Zwischenräume in der Schichtung. Das Forstamt wird in diesem Jahr 2820 Festmeter einschlagen lassen - 220 Festmeter Eiche, 960 Festmeter Buche, 1250 Festmeter Fichte und 390 Festmeter Kiefer.

Noch nicht im Forstwirtschaftsplan berücksichtig sind die Holzmengen, die im Zuge des Baus des Windparks auf dem Hilsberg anfallen. Dort laufen seit Ende vergangener Woche die Arbeiten auf Hochtouren. "Das Holz ist auf dem Boden, die Rodungen sind bis auf Kleinigkeiten abgeschlossen", erklärte Rössler. Alles sei reibungslos abgelaufen.

500 bis 600 Festmeter Holz, so schätzt der Revierförster, sind am Hilsberg angefallen. Zwei Drittel stammen von Nadelbäumen, ein Drittel von Laubbäumen. Dafür werden nun andere im Forstwirtschaftsplan aufgeführten Positionen für den Holzeinschlag zurückgestellt.

"Es ist viel Brennholzqualität dabei", sagte Rössler mit Blick auf die Qualität der Buchen. Dennoch werde man versuchen, das Holz bestmöglich zu vermarkten. Der Durchschnittspreis für einen Festmeter Buche liegt derzeit bei 58 bis 60 Euro, für Fichte werden 80 bis 85 Euro gezahlt.

Drei Jahre lang war der Laubholzeinschlag auf dem Hilsberg aufgrund der juristischen Auseinandersetzungen um den Windpark tabu. Nicht angetastet werden soll laut Rössler vorerst der Buchenbestand am einst geplanten, dann aber nicht genehmigten Windrad-Standort 3. "Dort werden wir frühestens 2015 rangehen, die anderen Windrad-Standorte haben Priorität", so der Revierförster. Um die natürliche Verjüngung der alten Buchenbestände nicht zu zerschlagen, dürften dort aber keinesfalls großflächigere Einschläge vorgenommen werden.

Eine Waldfläche so groß wie zwei Fußballfelder musste auf dem Hilsberg weichen

Nach Auskunft von Bürgermeister Markus Schäfer musten für die fünf Windrad-Standorte am Hilsberg einschließlich ihrer Zufahrten Waldflächen so groß wie etwa zwei Fußballfelder weichen. Die Hälfte davon entfalle dauerhaft und werde im größeren Maße an anderer Stelle wieder aufgeforstet.

Dies soll vor allem im Bereich "Scheid" bei Bottenhorn geschehen. "Natürlich muss man 50 Jahre warten, bis das Holz dort geerntet werden kann", gab Sigrid Krawielitzki zu verstehen. Der Wald werfe nun einmal nicht unbegrenzt Erträge ab.

Der Bad Endbacher Forstwirtschaftsplan für das Jahr 2014 weist Einnahmen von 164 670 Euro auf. Dem stehen Ausgaben in Höhe von 130 658 Euro gegenüber. Dazu gehören unter anderem die Lohnkosten der gemeindlichen Waldarbeiter (53 000 Euro) sowie die Kosten für Fremdfirmen (37 000 Euro) für die Holzernte. Für die Wegeunterhaltung sind 1500 Euro eingeplant.

Läuft alles nach Plan, könnte so ein Überschuss von 34 012 Euro erwirtschaftet werden.

Zum Vergleich: Die Gemeinde Dautphetal rechnet in ihrem Forst mit einem Gewinn von 37 717 Euro - trotz der im Vergleich zu Bad Endbach fast dreimal so großen Einschlagsmenge, aber auch bei deutlich höheren Ausgaben. In Breidenbach soll der Forstbetrieb 50 000 Euro in die Gemeindekasse spülen - dort werden rund 9400 Festmeter Holz geerntet. In Gladenbach werden 5187 Festmeter Holz geschlagen, die Stadt kalkuliert mit einem Gewinn von 50 000 Euro.

- Der Haupt- und Finanzausschuss sprach sich einstimmig für den Forstwirtschaftsplan aus. Die endgültige Entscheidung trifft das Bad Endbacher Parlament in seiner nächsten Sitzung am 10. Februar.


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