Ware Liebe: Von der Balz im Netz

INTERNET Sechs Singlebörsen und fünf Partnervermittlungen im Check der Stiftung Warentest

Singlebörsen und Online-Partnervermittlungen boomen. Denn sie versprechen eine nahezu unüberschaubare Auswahl und Erfolg. "Mehr als 4,3 Millionen Singles sollen bei ElitePartner auf der Suche sein, eDarling prahlt sogar mit mehr als 13 Millionen Mitgliedern europaweit", berichtet die Stiftung Warentest. Doch an welches Portal sollen sich die Suchenden wenden, wenn sie einen unverbindlichen Flirt oder die große Liebe finden wollen? Und welches bietet die besten Chancen, eine Beziehung anzubahnen? Die Stiftung Warentest hat sechs Singlebörsen und fünf Partnervermittlungen im Internet genauer unter die Lupe genommen und fünf virtuelle Singles angemeldet.

Das Ergebnis: Vier Anbieter schnitten gut ab. "Alle Portale locken zwar mit kostenloser Anmeldung, zum Ziel kommt man damit aber kaum", berichtet Falk Murko von Stiftung Warentest. Interessenten könnten sich zwar nach einem passenden Partner umsehen, die Kontaktmöglichkeiten seien jedoch begrenzt. Wer uneingeschränkt mit anderen Mitgliedern korrespondieren wolle, müsse zunächst einen Premium-Vertrag abschließen. Der ist bei Online-Singlebörsen für drei Monate ab 45 Euro zu haben, bei Partnervermittlungen ab 180 Euro. Und alle Anbieter verlangen Vorkasse.

Im Test kommt raus: Mit der kostenlosen Variante kommt man nicht weit

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, den oder die Richtige über das Internet zu finden. Eine einfache Form der Online-Partnersuche geschieht über Singlebörsen. Hier können sie sich in wenigen Minuten anmelden, ein Profil erstellen, Fotos hochladen und mit anderen Singles in Kontakt treten. "Allerdings sind die persönlichen Daten bei Singlebörsen für alle einsehbar - und die Absichten der anderen Mitglieder nicht immer klar: Wer will nur seinen Marktwert austesten? Wer möchte sich neu verlieben?", gibt die Online-Partnervermittlung ElitePartner zu bedenken. Bei Dating-Apps wie Tinder oder Lovoo gehe es noch unverbindlicher zu: Hier werden Singles aus der Nähe angezeigt, die Nutzer anhand von Profilfotos durch ein kurzes Wischen nach links oder rechts in Sekundenschnelle bewerten. Kommt es zu einem Match, also dazu, dass das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht, können die Suchenden ganz unkompliziert mit ihrem Gegenüber in Kontakt treten - und sich spontan verabreden.

Viele Dating-App-Nutzer, so der Vorwurf der Mitbewerber, verfolgten gar keine ernsten Absichten. Online-Partnervermittlungen werben hingegen damit, dass Alleinstehende auf ihrer Plattform auf andere Singles mit dem Wunsch nach einer festen Partnerschaft treffen - mit Hilfe von "wissenschaftlich fundierten Persönlichkeitstests und bewährten ‚Matching'-Verfahren."

An Singles, die einen Partner suchen, herrscht offenbar kein Mangel. Die Stiftung Warentest hat die Erfahrung gemacht, dass es in allen untersuchten OnlineBörsen zahlreiche Suchergebnisse beziehungsweise Partnervorschläge gab. Wobei die von ihr angemeldete vermeintlich 35-jährige konservative Frau den größten Zuspruch bekam.

Eine Erkenntnis, die den 49-jährigen Michael aus dem Ruhrgebiet nicht überrascht. Seit einigen Jahren hat er die Suche nach Mrs. Right auf die virtuelle Welt ausgedehnt. Gute Erfahrungen habe er bislang bei Tinder und Lovoo gemacht

Wenn zwei sich gegenseitig sympathisch finden, kann es zu einer Kontaktaufnahme kommen. Wobei die auch deutlich kürzer ist als beim realen Kennenlernen.

"Das läuft manchmal schon ganz schön unpersönlich ab", gibt der 49-jährige Michael zu. "Da kann es passieren, dass man nur drei Worte am Telefon spricht und dann heißt es auf einmal: Ach, das passt doch nicht - Tschüss!"

Grundsätzlich jedoch habe der 49-Jährige bei der Online-Suche positive Erfahrungen gemacht: "Gefälschte Profile waren eigentlich nie dabei", berichtet er.

Auch eine Bekannte von ihm, die auf der Suche nach einer neuen Bindung sei, sei erfolgreich in den Online-Vermittlungen unterwegs: "Die hat momentan jeden Abend ein Date!", berichtet Michael.

Partnervermittlungen sind erfolgreich dank "streng geheimer Glücksformel"

Partnervermittlungen versprechen übrigens, eine Art Glücksformel zu kennen, anhand derer sie die passenden Partner unter Millionen Mitgliedern zusammenbringen wollen. "Natürlich ist sie streng geheim, erklärt Falk Murko von der Stiftung Warentest. Grundlage sei ein Persönlichkeitstest, den jeder bei der Anmeldung ausfüllen muss. Daraus entstehen dann Profile, die mit jener "Glücksformel" verglichen werden. Im Unterschied zu Single-Börsen, wo jeder jeden kontaktieren kann, sind Mitglieder der Partnervermittlungen auf das Portal angewiesen, das angeblich passende Partner vorschlägt. Fazit der Stiftung Warentest: Der Service sei deutlicher teurer, aber kaum Erfolg versprechender.


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