Was tun, wenn alles schmerzt?

GESUNDHEIT  Dr. Susanne Amann gibt Tipps zum Umgang mit Rheuma und Arthrose

Ein 75-jähriger Mann aus Gladenbach weiß nicht mehr weiter. „Ich bekomme an zwei Fingern immer wieder weiche Beulen und auch am linken Fuß“, beschreibt er seine Symptome. „Was ist das“, will er wissen. „Es könnte ein Ganglion sein, ein sogenanntes Überbein. Nach einem Rheumaknoten hört es sich nicht an“, meint die Expertin. Um sicherzugehen, solle er beim Orthopäden vorbeischauen. Der könne mittels einer Probe genau bestimmen, was sich da bildet.

Bei einer Herbornerin wurde im Jahr 2008 Arthritis festgestellt. Sie wurde medikamentös eingestellt, hat aber immer wieder Probleme mit den Medikamenten. Und: „Manchmal tut trotzdem alles weh“, sagt die 47-jährige Anruferin. „Wie stehen Sie zu Homöopathie?“, fragt sie Dr. Susanne Amann (Foto: Röder).

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„Eigentlich stehe ich dem ganz offen gegenüber“, antwortet die Fachärztin für innere Medizin und Rheumatologie. „Aber es gibt ein Problem. Viele homöopathische Präparate, die gegen Entzündungen helfen, wirken nur sehr schwach“, sagt Dr. Amann. „Das heißt, sie müssten sehr viele Tabletten nehmen, um überhaupt einen kleinen Effekt zu erzielen.“ Bei einer schweren Arthritis komme man mit Homöopathie nicht weiter. Die Medizinerin empfiehlt, eine gesunde Ernährung. „Vermeiden Sie tierische Fette. Kohlenhydrate sind aber okay. Versuchen Sie, sich mediterran zu ernähren, das heißt, viel Fisch, Geflügel und Co.“ Und: „Wichtig, bleiben Sie in Bewegung und machen Sie weiter Sport. Hier ist vor allem wichtig, dass Sie das regelmäßig tun.“

Seit Jahren nimmt eine Frau aus Herborn das gleiche Medikament gegen ihre Gelenkentzündungen. Sie will wissen: „Verliert es irgendwann seine Wirkung?“ Das könne man schlecht vorhersagen, meint die Ärztin. „Bei manchen wirkt es so, bei manchen anders. Die gute Nachricht: Es gibt fast immer eine Alternative.“

Ein 64-jähriger Mann aus Herborn leidet unter Morbus-Bechterew, einer rheumatischen Erkrankung an Wirbelsäule und Becken. Das Medikament, welches er einnimmt, Diclofenac, belastet jedoch auf Dauer Herz und Nieren. Was kann er tun?

Dr. Amann empfiehlt dem Mann es mit Naproxen oder Arcoxia zu versuchen. Ersteres sei eine Möglichkeit, die das Herz weniger belastet. Nummer Zwei sei schonender zu Magen. „Ideal für eine Dauertherapie sind beide leider nicht.“

Eine Steffenbergerin hat seit drei Jahren Schmerzen – „mal hier, mal da, mal dort“. Die Probleme treten vor allem nachts auf. Der Vater der 62-Jährigen hatte Parkinson. „Kann es das sein? Oder Rheuma?“, will die Anruferin wissen. „Gegen Rheuma spricht, dass es Ihnen tagsüber gutgeht und die Schmerzen weg sind. Das passiert bei Rheuma nicht“, antwortete die Expertin. Übers Telefon könne sie nicht mehr sagen. Dr. Amann empfiehlt der Frau aus Steffenberg einen Termin im Rheumazentrum.

Eine Anruferin leidet unter Fibromyalgie. Was kann sie zusätzlich zu ihrer medikamentösen Therapie tun? „Wichtig ist, die schmerzenden Stellen warm zuhalten, Gymnastik zu betreiben und viele Entspannungstechniken, wie Yoga oder Qigong anzuwenden“, meinte Dr. Amann.

„Verzichten Sie bei rheumatoide Arthritis vor allem auf tierische Fette und ernähren Sie sich mediterran“

Einer weiteren Anruferin, die ebenfalls Fibromyalgie hat, helfen die bisherigen Medikamente nicht. „Gibt es etwas Neues“, fragt sie beim „Direkten Draht zu Mediziner“. Amann: „Leider nein! Da warten wir alle drauf.“

Wegen eines Nierenversagens musste eine 69-jährige Herbornerin zuletzt ins Krankenhaus. Jetzt sollte sie die Medikamente gegen ihre Rheumaerkrankung, die sie zusätzlich zu Cortison einnimmt, nicht mehr nehmen. Als Alternativen bezeichnet Dr. Amann Leflunomid sowie Imurek. Beides könne die Anruferin auch unabhängig von ihrer Nierenfunktion einnehmen – auch um Cortison einzusparen.


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