Wenn der Geruchssinn weggeht

TELEFONAKTION Hals-Nasen-Ohren-Arzt berät Patienten am Redaktionstelefon

Ein Anrufer aus Biedenkopf riecht und schmeckt seit einem Jahr nichts mehr. An ein besonderes Ereignis, das der Auslöser gewesen sein könnte, erinnert er sich nicht. Ob man etwas tun kann, fragt er den Facharzt.

Dr. Braulke möchte zuerst wissen, ob der Anrufer einen Autounfall oder einen Sturz erlitten hat, bei dem die Riechfäden an der Schädeldecke abgerissen sein könnten. "Dann riecht man leider nie wieder etwas." Das kann der Anrufer aber zum Glück ausschließen.

Auslöser für die Anosmie, wie der Verlust des Geruchssinns heißt, könne auch eine Erkältung sein oder sie könne von Medikamenten ausgelöst werden. Auch eine Entzündung könne die Ursache sein. "Vielleicht haben Sie auch Polypen. Die versperren den Weg zur Riechrinne und die Geruchsstoffe kommen nicht mehr an", sagt Dr. Braulke. Diese Störung lasse sich meist mit einem cortisonhaltigen Nasenspray beheben. Er rät dem Anrufer, einen HNO-Arzt aufzusuchen und die Ursache abklären zu lassen.

Manchmal sind viele Gänge zum Akustiker notwendig, bis die Einstellung des Hörgerätes stimmt

Eine 78-jährige Friebertshäuserin hört nicht mehr gut. Deshalb hat sie vom Arzt für beide Ohren Hörgeräte verschrieben bekommen, aber trotzdem hört sie nicht wirklich. "Vor allem, wenn mehrere Leute im Raum sind, verstehe ich gar nichts mehr. Nur am Telefon geht es noch", berichtet sie. Der Akustiker habe ihr deshalb die Geräte so laut gestellt, dass das Öffnen einer Schranktür wie ein Schlag klinge.

"Gehen Sie zum Akustiker und lassen Sie die Hörgeräte besser einstellen", rät der Facharzt. Das habe sie schon ohne Erfolg versucht, meint die Anruferin. "Gehen Sie wieder hin. Manchmal dauert es etwas länger, bis die Feinabstimmung wirklich funktioniert", sagt Dr. Braulke.

Die meisten Patienten haben wegen Ohrgeräuschen angerufen, "eine Volkskrankheit", sagt der Spezialist. Leider gebe es keine einfach Lösung. Viele Faktoren kämen zusammen und meist helfe nur eine längerfristige Therapie in einer Fachklinik. .

Wegen ihrer Ohrgeräusche ruft eine 74-Jährige aus Solms an. Seit einem halben Jahr hört sie ein Summen, besonders nachts, wenn es ruhig ist.

"Die Wunderpille, von der ein Tinnitus verschwindet, gibt es leider nicht", bedauert Dr. Braulke. Viele Ursachen kämen meist zusammen. Verspannungen oder Schäden an der Halswirbelsäule seien ebenso möglich wie Stress oder psychische Probleme.

Hilfreich sei alles, was die Durchblutung verbessert, rät der HNO-Arzt: Viel trinken, Herzsport treiben, aber auch Ablenkung oder andere Geräusche wie der Fernseher. Der allerwichtigst Rat sei, sich nicht auf die Geräusche zu konzentrieren.

Auch Nasenspray könne helfen, um die Verbindung zwischen Nase und Ohr zu durchlüften. Es gebe Medikamente, innerhalb der ersten zwei Wochen helfen, bestätigt er: Tebonin oder eine Cortison-Behandlung. "Aber andere Wundertherapien sind häufig nur Geldmacherei", warnt er.


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