Wenn der Job krank macht

ARBEITSSCHUTZ Regierungspräsidium veranstaltet Fachtagung

Sechs Milliarden Euro kosten Produktionsausfälle wegen psychischer Erkrankungen die Wirtschaft - jedes Jahr. Den Ursachen und möglichen Lösungen ist eine Tagung in Wetzlar auf die Spur gegangen. (Foto: Berg/dpa)

Zum zweiten Mal bot das Regierungspräsidium (RP) Gießen die Veranstaltung zum Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz an, an der vor allem Unternehmensvertreter und Betriebsärzte teilnahmen.

Mehr und mehr Berufstätige seien psychisch belastet, erklärte Gudrun Baum, Leiterin der Abteilung für Arbeitsschutz und Inneres beim RP. Um mehr als 80 Prozent seien bundesweit in den letzten 15 Jahren die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen gestiegen. Für die Wirtschaft entstünden so jährliche Produktionsausfallkosten von sechs Milliarden Euro.

Grund für diese Entwicklung seien unter anderem Globalisierung und Schnelllebigkeit der Gesellschaft, sagte Bettina Splittgerber vom hessischen Sozialministerium.

Auf die psychische Belastung eines Mitarbeiters außerhalb seines Jobs könne ein Arbeitgeber nur wenig Einfluss nehmen, erläuterte Claudia Flake, RP-Expertin für arbeitspsychologische Fragestellungen. Er müsse aber auf Belastungen, die ihren Grund am Arbeitsplatz haben, reagieren. Hilfestellungen dafür gab es von Berater Valdemaro Compagna. Er erläuterte einen Prozess, der Schwachstellen in der Arbeitsgestaltung erkennen lasse und ermögliche, sie im Dialog zu beseitigen.

Sichere und gesunde Bedingungen am Arbeitsplatz lohnen sich

Welche Ansätze und Lösungen Betriebe aus der Region für sich gefunden haben, stellten Nadja Gabriel von der Schunk Dienstleistungsgesellschaft, Dr. Wilhelm Ott und Martina Meyer von der Sparkasse Oberhessen und Udo Fischer von der Firma Gate Gourmet vor. Sie zeigten mit konkreten Beispielen, dass es sich lohnt, für sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsbedingungen einzutreten.

Einig waren sich alle, dass die Erhebung psychischer Belastungen nur schrittweise vonstatten gehen kann. Es sei sinnvoll, Fachleute mit ins Boot zu holen und mit einem Arbeitsbereich zu beginnen, um das Vorgehen zu erproben und Erfahrungen zu sammeln.

Mit der Einbindung der Beschäftigten in den Prozess werde zugleich Wertschätzung ausgedrückt.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet