Wenn die Mordwaffe im Ofen schmort

Szenische LESUNG Isa Perski und Günther Jahn bieten mit makabren Geschichten beste Unterhaltung

„Der Planer“ bieten Isa Perski und Günther Jahn haben bei ihrer szenischen Lesung in Biedenkopf mit makabren Geschichten voller schwarzem Humor unterhalten. (Foto: H. Peter)

„Lammkeule“ und „Delikatessen vom Schwein“ – ordentlich gewürzt mit schwarzem Humor – standen unter anderem auf der literarischen Speisekarte. Die beiden Künstler Isa Perski und Günther Jahn servierten ihrem Publikum die literarischen Gerichte gekonnt und kostümiert.

Zum Auftakt gab es die „Lammkeule“ von Roald Dahl und damit einen Polizistenmord. Isa Perski erwartete in der Geschichte als schwangere Polizistenehefrau Mary Maloney die abendliche Heimkehr ihres Mannes Patrick, in dessen Rolle Günther Jahn schlüpfte. Als Patrick seiner ahnungslosen Ehefrau völlig überraschend seine Trennungsabsichten offenbart, verpasst ihm die Gattin unversehens einen Schlag mit seinem Abendessen – einer noch gefrorenen Lammkeule –, welchen der unglückliche Patrick nicht überlebt.

Die trauernde Witwe serviert den fieberhaft ermittelnden Polizisten netterweise eine leckere geschmorte Lammkeule

Gebannt verfolgten die Zuhörer als Zeugen dieses Mordes den weiteren Gang der Dinge im Hause Maloney. Sie sahen die bitteren Tränen der jungen Witwe und beobachteten, wie das Mordwerkzeug langsam im Backofen vor sich hin garte, während die inzwischen eingetroffene Polizei fieberhaft nach der Tatwaffe suchte. Denn in einem waren sich die Beamten, denen die trauernde Witwe freundlicherweise Whiskey und eine leckere, geschmorte Lammkeule servierte, sicher: „Wenn man die Waffe hat, hat man auch den Täter.“

Tiefschwarzer Humor erwartete das Publikum auch mit der Geschichte „Der Planer“ des Autors Ernst W. Heine. Die Zuschauer tauchten ein in die Gedankenwelt des im Rentenalter angekommenen Architekten „Theodor Tolesius“, dessen letzte große Planung seine eigene Bestattung betraf. Erd- oder Feuerbestattung, Bestattung im Weltraum, ein Seemannsgrab oder das Spenden seiner Organe zog er in Betracht – um schließlich jede dieser und weiterer Ideen wieder zu verwerfen. Alle Überlegungen gipfelten schließlich in der perversen Idee, seinen entseelten Körper ähnlich dem eines Schweins unter dem Motto „Ich habe Dich zum Fressen gern“ einer Verwertung in Form von Kraftbrühe, Ragout fin und Wildpastete zuzuführen. Ein schauriger und unvorstellbarer Plan, der aber in der makabren Geschichte unvollendet blieb. Denn ein ungeplanter Unfalltod, bei dem Theodor Tolesius’ Körper bis zur Unkenntlichkeit verbrannte, setze allen Überlegungen des Architekten ein jähes Ende.

Die Auswahl der schaurig-humorvollen Geschichten wie auch die Interpretation durch Perski und Jahn kamen beim Publikum im voll besetzten „Ristorante Rino“ bestens an.


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