Wenn längst alles zu spät ist

Tilda Swinton in "We Nee to Talk About Kevin"
Tilda Swinton hat ihre liebe Not mit Sohn Kevin (Jasper Newell). (Foto: fugu)

Vater Franklin (John C. Reilly), kann, wie Väter oft sind, am Sohnemann nichts Ungewöhnliches, schon gar nichts Beängstigendes feststellen und tut Evas Sorgen leichthin als Hirngespinste ab, während diese angesichts des aggressiven Verhaltens und der soziopathischen Tendenzen ihres Jungen immer ängstlicher und besorgter wird.

Lynne Ramsays "We Need to Talk About Kevin", das auf Lionel Shrivers gleichnamigem Roman beruht, der unter dem deutschen Titel "Wir müssen über Kevin reden" neuerlich als Filmbuch für 9,99 Euro bei Ullstein erschienen ist, ist eine packende Studie in Scharlachrot, die wie ein monströser Traum gleichermaßen zu fesseln und zu verstören vermag.

Als Evas dunkle Vorahnungen zu trauriger Gewissheit werden, ist alles zu spät. Mit einem Massaker hat der Sonderling nämlich das Leben der kleinen Familie zerstört, und Eva muss sich ihren Mitbürgern stellen, die nur noch Verachtung für sie übrig haben.

Anders als die meisten Filme über Gewalttaten Jugendlicher, bei denen der Blick auf den oder die Täter gerichtet ist und von denen von denen Gus van Sants "Elephant" sicherlich der Überzeugendste ist, steht in dieser britisch-amerikanischen Co-Produktion, die sich mit den Ursprüngen des Gewaltakts beschäftigt und den Ereignissen, die der Bluttat vorausgingen, die Mutter im Mittelpunkt, die selbst gleich mehrfach zum Opfer wird. Und da bleibt Tilda Swintons Darstellung lang im Gedächtnis haften.

Laufzeit: 112 Minuten; FSK: freigegeben ab 12 Jahren.


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