Wer greift sich einen Schlumpeweck?

Kulturscheune: Zum neunten Mal wird der Kleinkunstpreis vergeben

Wollen den Schlumpeweck gewinnen: Les Papillons kommen als musikalische Botschafter aus der Schweiz.

(Foto: privat)

"Ich denke, wir haben wieder einen guten Querschnitt aus der Kleinkunstszene ausgewählt", freut sich Vereinschef Jörg Michael Simmer, der in einer sechsköpfigen Jury wiederum aus über 90 Bewerbern sechs Acts auswählen musste.

Den Auftakt macht am Montag, 26. September, um 20 Uhr Michael Feindler mit Ausschnitten aus seinem Programm "Das Lachen der Ohnmächtigen". Das Kabarett ist endlich auf der Höhe der Zeit angekommen: Es kann uns nicht mehr darum gehen, die herrschenden Verhältnisse anzuprangern oder gar eine Revolution anzetteln zu wollen! Wer anderes behauptet, ist naiv oder Gewerkschaftsmitglied. Denn im Zeitalter der Alternativlosigkeit verläuft jeder Lebensweg in den Grenzen einer Einbahnstraße. Und auf dieser Straße gilt das Recht des Schnelleren. Dort entscheidet sich schon früh, wer den Bürgersteig ungestraft als Überholspur nutzen darf, wer Schlaglöcher stopft und wer als Unterschichtenäquivalent in der Gosse verrottet. Jetzt geht es um das nackte Überleben. Verdaulicher wird diese Feststellung durch eine feine lyrische Note und zarte musikalische Töne.

Ab ca. 21.15 Uhr beschäftigen sich Belle Mélange mit "Cherchez la femme - was Mann wissen muss". Dabei dreht sich alles um das ewige Rätsel Frau. Die Themenwelt der Weiblichkeit ist groß und oft nicht ganz logisch. Dabei bekommt jeder, Frau und auch Mann, seinen Anteil am Geschehen. Vier charismatische Musikerinnen und eine einzigartige Kombination aus Gesang, Klavier, Cello und Querflöte entfalten auf der Bühne ihren vollen Geschmack und wohltuende Wirkung. Die Sucht zur Schokolade, Figurprobleme, russischer Liebeskummer, Kaffee als Männerersatz, die Ungerechtigkeit der naturgegebenen geschlechtsspezifischen Merkmale, neue innovative Trennungsmethoden, benutzerdefinierte nationenübergreifende Alltagsprobleme - die Liste der Themen ist lang.

Am Mittwoch, 28. September, startet Alexander Merk in den Abend. Mit Humor und Emotion, Illusion, Täuschung und seiner ganz eigenen Art der Magie zaubert er sich in die Herzen seines Publikums. Der Deutsche Meister der Zauberkunst wurde vor kurzem bei der Weltmeisterschaft in Blackpool unter die TOP 10 der weltbesten Zauberer gewählt und vom Fachpublikum mit Ovationen gefeiert. Seien Sie mal wieder so richtig verblüfft, wenn Alexander Merk mit einem unsichtbaren Mann zaubert oder ein kleines Wunder direkt in der Hand eines Zuschauers vollbringt. Der Berliner erzählt magische, fantasievolle Geschichten und ermöglicht seinem Publikum etwas, das in unserer schnelllebigen Gesellschaft oft zu kurz kommt: das Staunen!

Kontrastprogramm dann ab 21.15 Uhr: RaDeschnig heißt ein Schwesternduo aus Österreich, das in "Zimmer, Küche, Kabinett" die Geschichte von zwei Frauen, die eine sind, erzählt. Alles um sie herum ist in Bewegung und sie erstarrt. Vorsichtshalber. Die eigenen vier Wände sind ihre Festung. Hier kann sie nichts gewinnen, aber auch nichts verlieren. Hier hat sie zwar keine Möglichkeiten, aber dafür ihre Ruhe. Bis...

Wettkampfabend Nummer drei wird von Frank Sauer am 30. September um 20 Uhr begonnen. Kennen Sie das auch? Man steht am Ostersonntag morgens auf, macht sich Kaffee, und zack - zwei Stunden später ist schon wieder Dezember. Das Leben hetzt an uns vorbei, und wir müssen gucken, dass wir irgendwie hinterherkommen. Expressversand, Schnellstraße, Eilzustellung, Fast Food, Turbo Diesel, Blitzkarriere, Speed Dating - zwischendurch mal schnell entspannen: Power-Relaxing mit Kompakt-Yoga bei meditativer Musik in fünffacher Geschwindigkeit. So brettern wir atemlos, aber fröhlich in die Sackgassen dieser Welt, mit Vollgas hinein in Burnout und Finanzcrash. Und erfreuen uns an immer neuen medialen Sportarten: Deppen-Pushing, Loser-Hyping, Banal-Aufbausching und Topmodel-Verschleißing. Höchste Zeit für ein Loblied auf die Faulheit - und auch das kommt bei Frank Sauers Programm nicht zu kurz….

Eigenwilliger Schlusspunkt des 9. Herborner Schlumpeweck sind Les Papillons aus der Schweiz. Ab ca. 21.15 Uhr ist bei ihnen die Jagd auf Ohrwürmer im Notenwald der Musikgeschichte wieder eröffnet! Was passiert, wenn einem klassischen Monumentalwerk die Ernsthaftigkeit entzogen wird, ein Popsong plötzlich wie Mozart klingt, zwei völlig gegensätzliche Musikstücke miteinander in Dialog treten oder was, wenn man gar nicht mehr weiß, wohin die ganzen Melodien gehören? Auch in ihrem neuen Programm haben sich die beiden Musiker Giovanni Reber (Violine) und Michael Giertz (Piano) wieder zum Ziel gesetzt, rund 100 Hits aus Klassik, Film, Rock und Pop zu einem wilden Concerto Grosso zu vereinen.

Und wer hat gewonnen? Das klärt sich dann am Sonntag, 2. Oktober, ab 20 Uhr im Rahmen der Preisverleihung. Die Moderation des Abends liegt 2016 in den Händen von Martin Sierp der als Varieté-Moderator bereits zweimal in der KuSch aktiv war.

Die Preisträger sind an diesem Abend anwesend und zeigen Ausschnitte aus ihrem Programm. Insgesamt werden 8.000,- Euro an Preisgeldern vergeben. Drei gleichberechtigte Preisträger zu je 2.000,- Euro ermittelt die Jury. Nur die Besucher mit Abonnement für alle Veranstaltungen des Schlumpeweck erhalten eine Stimmkarte, mit der sie am letzten Wettbewerbstag die Publikumspreisträgerin oder den Publikumspreisträger bestimmen. Auch der Publikumspreis ist mit 2.000,- Euro dotiert. Alle Preisträger erhalten zudem eine wertvolle Bronzeskulptur des Schlumpeweck, die von der Firma Kunstguss Eschenburg gestaltet wurde.

Unterstützt wird der Schlumpeweck vom Stadtmarketing Herborn, der Sparkasse Dillenburg und der Rittal Foundation.

Eine Dauerkarte für alle vier Abende kostet nur 30 Euro, die Tageskarte ist für 15 Euro im Vorverkauf erhältlich. Tickets gibt es unter anderem bei Optik Tafelski in Herborn (Tel. 02772/2889), in der Musicbox Dillenburg (Tel. 02771/24467) sowie im Internet unter www.kusch-herborn.de.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2016
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet