"Wichtiges Signal an Schwerkranke"

FESTAKT Ionenstrahl-Therapiezentrum ist am Mittwoch in Marburg offiziell eingeweiht worden

Die Teilnehmer schauen sih die Anlage an, unter anderem (v. l.) Dr. Martin Siebert, Rhön-Vorstandsvorsitzender, Professor Thomas Haberer, wissenschaftlich-technischer Direktor der MIT GmbH, und Professorin Rita Engenhart-Cabilic,Direktorin der Klinik für Strahlentherapie. (Foto: Schwarzwäller)

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Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) sprach von einem guten Tag für den Forschungsstandort Hessen und den Medizinstandort Marburg.

Absichtserklärung 2006. Grundsteinlegung 2007. Richtfest 2008. Zwischenkapitulation 2011. Architekturpreis 2013. Konzeptionelle Neuauflage 2014. Und nun - "endlich fertig". Es war nur ein ganz kurzer Abriss, den Dr. Martin Siebert, Vorstandsvorsitzender der Rhön Klinikum AG Healthcare über die Geschichte des "Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrums" gab - eine Geschichte, die zwischenzeitlich kein gutes Ende zu nehmen schien. Das Projekt lag aus wirtschaftlichen Gründen auf Eis und stand vor dem Aus.

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In Marburg sollen langfristig rund 750 Patienten pro Jahr behandelt werden

Betreiber ist nun das Universitätsklinikum Heidelberg, das mit 75,1 Prozent an einer gemeinsamen Betriebsgesellschaft mit der Rhön Klinikum AG beteiligt ist. Auch unter dem Aspekt, dass schon die Partikeltherapie-Anlage in Kiel scheiterte, sei es Heidelberg ein besonderes Anliegen gewesen, "alles dazu beizutragen, diese Anlage in Marburg in Betrieb nehmen zu können", sagte Irmtraut Gürkan, kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg.

Dort werden am "HIT" jährlich inzwischen knapp 750 Patienten behandelt. Das ist eine Größenordnung, die man auch in Marburg anstrebt. Dabei dient das MIT nicht nur als Behandlungsoption für Krebspatienten, bei denen das Tumorwachstum mit einer herkömmlichen Strahlentherapie nicht gestoppt werden kann.

"Es ist auch eine Plattform für klinische Studien und eine Möglichkeit für medizinphysiologische, strahlenbiologische und technische Forschung", erklärt Professor Jürgen Debus, Geschäftsführer der MIT GmbH und ärztlicher Direktor des HIT in Heidelberg. Die Patienten stehen aber im Mittelpunkt, darin waren sich alle Beteiligten in ihren Ansprachen einig. Der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein, betonte, welch wichtiges Signal die Inbetriebnahme für die vielen sterbenskranken Menschen sei, die sehr große Hoffnungen in diese Therapie setzen. Die Universitätsmedizin in Marburg habe sich in den vergangenen Jahren völlig zu Recht den Ruf einer exzellenten Adresse in der Krebstherapie erarbeitet, sagte Rhein.

"Das MIT wird die Reputation des Standorts stärken - weltweit." Jeder, der dazu beigetragen habe, dass die Anlage nun in Betrieb genommen werden konnte, solle sich persönlich vom Dank des Ministeriums angesprochen fühlen. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und die Landrätin des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Kirsten Fründt (SPD), dankten den Beteiligten ebenfalls und äußerten sich optimistisch, dass das MIT ein Leuchtturm für den Standort Marburg beziehungsweise Mittelhessen werde.

Das Zentrum sei nicht nur ein Gewinn für an Krebs erkrankte Menschen, erläuterte Egon Vaupel, sondern es bestätige auch, wie wichtig es sei, ein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und engagiert weiterzuverfolgen.

"Sehr gute Aussichten" attestierte auch die Präsidentin der Marburger Philipps-Universität, Professor Katharina Krause, dem MIT. Sie sei sicher, dass künftig nicht über dessen lange und mühevolle Genese gesprochen werde, sondern über die Forschungs- und Therapieerfolge.

Die mehr als 150 geladenen Gäste können die Anlage selbst in Augenschein nehmen

Nach neun Grußworten im Auditorium des Marburger Uniklinikums hatten die mehr als 150 geladenen Gäste dann auch die Gelegenheit, die 110 mal 66 Meter große Anlage auf den Lahnbergen selbst in Augenschein zu nehmen. Es gab Führungen, bei denen technische Details zur Partikeltherapie erläutert wurden. Vier Bestrahlungsplätze stehen zur Verfügung. Die Behandlungstische und die digitalen Röntgensysteme sind robotergesteuert und in sechs Dimensionen beweglich - alles für eine möglichst optimale "Einstrahlrichtung".

Die Ionenstrahlung (Protonen und Kohlenstoffionen) ist besonders präzise und weist bei gleicher Dosis eine höhere medizinische Wirksamkeit als eine konventionelle Bestrahlung mit so genannten Photonen. Besonders günstig ist der Einsatz von Ionenstrahlen bei bestimmten Krebsarten im Kindesalter.


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