Wie Menschen an der Arbeit gesteuert werden

Theater  „Yes we burn“ in Verdi-Bildungszentrum macht nachdenklich / „Ich brenne für das Unternehmen“

Mit Entspannungsübungen am Arbeitsplatz will Frau Baumann (Martina Frenzel) Bettina Zimmer (Signe Zurmühlen) zu einem besseren „workflow“ verhelfen. (Foto: J. Stein)

„Schön dass sie alle zu unserem Firmenjubiläum gekommen sind. Der CEO von Streichholzunion wird in 9 Minuten hier eintreffen.“ Mit diesen Worten begrüßte Martina Frenzel vom Theater „Xtrameile“ als Frau Baumann das Publikum und bezog dieses gleich ins Theaterstück mit ein.

Während der letzten Minuten, bevor der CEO erscheinen würde, stellte die Gesundheitsmanagerin Baumann sicher, dass auch alle „Angestellten“ in einer agilen, sprungbereiten Sitzposition saßen. Tiefere Einblicke in den Arbeitsalltag in der Firme Streichholzunion gab es mit einem Rückblick auf das erste Treffen zwischen Frau Baumann und der Kundenbetreuerin Bettina Zimmer, gespielt von Signe Zurmühlen.

Ein Apfel und die perfekte Sitzhaltung

Mit der perfekten Sitzhaltung, einem Apfel auf dem Schreibtisch und regelmäßigen Entspannungsübungen sollte diese in den „workflow“ kommen und durch richtiges Zeitmanagement bei der Arbeit zur Ruhe kommen. Zwischen falschen Lieferungen, einem bevorstehenden Meeting und dem Familienleben gelang es Bettina aber nur schwer abzuschalten. Besonders die Gerüchte über eine bevorstehende Abteilungsverlegung verursachten bei der Angestellten zusätzlichen Stress.

Kollegin Karola, die mit der Idee kam, sich am Wochenende zu treffen, um neue Vorschläge für Streichhölzer zu sammeln, stellte sich auch nicht als große Hilfe heraus.

Schließlich wurde sie mit einer leichten Erschöpfungs-Depression diagnostiziert. Immer wieder wechselte das Theaterstück zwischen Bettinas Geschichte und der Gegenwart, in der die Zuschauer auf ihre Sitzposition geprüft wurden oder die Firmenhymne „Yes, we burn“ singen mussten.

Der CEO gratuliert per Telefon

Auch Martina Frenzel griff zum Mikrofon, um über die stressige Arbeitswelt und die Sucht nach Arbeit zu singen. In der Schlussszene, in der eigentlich der CEO eintreffen müsste, überraschte Bettina als verkleidetes Streichholz. „Ich habe mich in unser Produkt eingefühlt und brenne für unser Unternehmen!“

Schließlich endete das Stück damit, dass der CEO per Telefon zum Firmenjubiläum gratulierte, denn sein Flieger habe Verspätung. In einem Abschiedslied gaben die Schauspielerinnen dann einen Einblick in die Zukunft der Charaktere.

Während Bettina ein gute Therapeutin finden wird und Karola gegen eine Abteilungsverlegung protestiert, verfällt die optimistische Gesundheitsmanagerin Baumann schließlich in eine Depression.

Mit viel Humor und Szenen die zum nachdenken anregten begeisterten das Theaterstück, welches Martina Frenzel geschrieben hatte, das Publikum. Frenzel ist seit 2010 in der Erwachsenenbildung tätig und leitet zahlreiche Seminare für Verdi und die IG Metall zu den Themen „Burnout“ und „Indirekte Steuerung im Unternehmen“. (jns)


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