Willi und Schneck zeigen Gefühle

SEMINAR  Wer Gewalt unter Kindern unterbinden will, muss deren Empathiefähigkeit fördern

Mit Handpuppen und Fotos stellen die Erzieherinnen typische Situationen im Lebensalltag der Kinder nach und helfen, Gefühle zu erkennen und auch mitzuteilen. (Foto: Valentin)

Diplom-Psychologe Andreas Schick stellte das aus den USA stammende „Faustlos“-Programm vor. Anders als früher üblich ziele dieses Programm nicht darauf ab, einen Schuldigen in einer Auseinandersetzung zu finden, erklärte Schick. „Wir verfolgen vielmehr einen systemischen Ansatz, um zu sehen, wo es zwischen den unterschiedlichen Meinungen knirscht.“

Deswegen verfolgt das „Faustlos“-Programm vor allem ein Ziel: Es will die Empathiefähigkeit der Kinder fördern. Die sollen sich bei Auseinandersetzungen in ihr Gegenüber hineinversetzen, um die Situation auch aus dessen Blickwinkel sehen zu können. Bei den 28 Lektionen, die das Programm umfasst, spielt das Vermitteln von Gefühlen deswegen eine besondere Rolle.

So lernen die Teilnehmer etwa, wie sie ihre Gefühle anderen richtig vermitteln. „Das funktioniert nämlich nicht mit Du-Beschuldigungen, sondern durch Ich-Botschaften“, weiß Schick. Also keine Vorwürfe machen wie „Du hast aber ...“, sondern stattdessen lieber sagen „Ich fühle mich dabei ...“ Das nimmt der Situation direkt den Vorwurfscharakter.

Um den Kindern diese Prinzipien zu vermitteln, bedienen sich die Erzieherinnen eines Projektkoffers mit unter anderem den beiden Handpuppen Willi und Schneck, mit deren Hilfe sie typische Rollen- und Konfliktkonstellationen für die Kleinen nachstellen und dadurch greifbar machen. Dazu gibt es großformatige Bilder von Kindern in verschiedenen Situationen, die den Kleinen helfen sollen, Gefühle zu erkennen.

Studien bestätigen, dass Kinder in Einrichtungen, die an diesem Programm teilgenommen haben, Gefühle besser erkennen können und häufiger mit anderen verhandeln.

Auch Impulskontrolle und der richtige Umgang mit Wut und Ärger sind ein wichtiges Ziel des Programms. „Es geht aber nicht darum, zu allem Ja und Amen zu sagen“, betont Schick, „aber darum, zu vermitteln, dass es Möglichkeiten der gewaltfreien Konfliktlösung gibt, indem man aufeinander zu geht.“

Wenn Eltern ebenfalls gewaltfreie Konfliktlösungen vorleben, wirkt das Programm besser

Schick empfahl, auch die Eltern mit ins Boot zu nehmen. Zwar funktioniere das Programm auch, wenn es nur im Kindergarten angewendet werde. Der Erfolg sei aber nachhaltiger, wenn es auch zu Hause praktiziert werde.

Kindergartenleiterin Andrea Bielecki-Hofmann ist vom Nutzen des Programms jedenfalls überzeugt. Bereits 2010 haben sie und ihre Kolleginnen eine erste Fortbildung zu diesem Thema absolviert. „Wir hatten damals die Erfahrung gemacht, dass es immer wieder aggressive Kinder gibt“, erinnerte sich Bielecki-Hofmann.

Durch das Gewaltpräventionstraining hätten sie gelernt, mit dieser Situation besser umzugehen. Und das wiederum übertrage sich durch Nachahmungslernen auch auf die Kinder.

„Es macht einfach Freude, wenn man sieht, dass man durch ein bestimmtes Verhalten auch Erfolge bei den Kindern erzielen kann“, sagte die Leiterin. Eine ähnliche Wirkung erhofft sie sich auch von dem jetzt erlernten Programm.


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