Wo hilft Akupunktur, wo nicht?

TELEFONAKTION Dr. Marko Hanisch antwortet am "Direkten Draht zum Mediziner"

So auch einer 66-jährigen Solmserin, die seit 15 Jahren unter Depressionen leidet. Sie fragte nach der Wirkung der beiden Präparate Venlafaxin und Lamotrigen und nach Alternativen dazu. "Die Kombination ist durchaus sinnvoll, zumal beide Medikamente eine Stabilisierung und eine Aufhellung der Stimmung samt Verbesserung bei Angszuständen bewirken", wusste Hanisch. Tendiere man hin zu einer chronischen Depression, seien spezielle Therapieformen wie etwa das sogenannte C-BASP, welche beispielsweise in Marburg angeboten werde, hilfreich, wie Studien belegten. Eine Depression könne man zwar nicht in jedem Falle heilen, wohl aber begleitende Symptome , wie beispielsweise die Schlafstörung, sehr günstig beeinflussen.

Viele Medikamente, die alle keine Besserung bei Depressionen mit Angstzuständen brachten, darunter Oxazepam, hat eine Greifensteinerin, 85 Jahre alt, eingenommen. Man sollte in jedem Fall einen Psychotherapeuten hinzuziehen, wenn sich das Befinden einfach nicht bessere, empfahl der seit 2014 in einer Wetzlarer Gemeinschaftspraxis tätige Mediziner. Eine Linderung der Beschwerden sei möglich. Die Einnahme von Oxazepam gegen Angstzustände verliere aber mit der Zeit ihre Wirkung und sorge auf Dauer für größere Stimmungsschwankungen, ähnlich einem Jojo-Effekt. Der Mediziner wies in diesem Zusammenhang auch eine Herbornerin mit ähnlichem Krankheitsbild darauf hin, dass Medikamente aus der Gruppe der Benzodiazipine - wie Oxazepam, Tavor oder Alprazolam - abhängig machten. Gegen die Entzugsproblematik bei der Reduzierung dieser Medikamente helfe die Akupunktur nachweislich.

Dauerhafte Schmerzen am Beckenrand hat eine 66-Jährige, für die ihr Mann anrief. Tabletten, Kortisonspritzen und Krankengymnastik hätten bei ihr nicht angeschlagen. Es könne sich um eine Entzündung der Knochenhaut handeln, wies Hanisch hin. Tendenziell handele es sich um eine orthopädische Fragestellung. Gegen die Schmerzen könne Akupunktur sicher hilfreich sein, allerdings müssen zuvor andere Dinge abgeklärt werden, wozu auch bildgebende Verfahren nötig sein können.

Mit einem Runkeler, der 65 Jahre alt ist, fragte ein weiterer Anrufer für seine Frau um Rat. Dieser sei seit einem Jahr ständig übel. Eine Magenspiegelung, Ultraschall und Untersuchungen der Bauchspeicheldrüse hätten nicht zur Klärung beitragen können. Das Medikament Tavor hätte ein wenig Linderung verschafft. "Wenn ernste körperliche Ursachen ausgeschlossen wurden, können psychosomatische Beschwerden des Magen- Darmtraktes mittels Akupunktur sehr gut behandelt werden", sagte der Facharzt Eine Ursache könnten Angstzustände sein. Stecke eine Depression dahinter, könne man dies herausfinden.

Ob man alternativ etwas gegen das Restless-Legs-Syndrom machen könne, wollte ein Dillenburger (62) wissen. Die Behandlung sowohl mit Medikamenten als auch mittels Akupunktur stelle sich häufig als schwierig dar. Bei manchen Patienten sei allerdings schon etwa mittels (Implantat-)Ohr-Akupunktur eine Verbesserung erzielt worden. Manchmal seien auch neue Medikamente aussichtsreich.

Was tun gegen den Tinnitus? Ein Tipp ist eine kostenlose App fürs Smartphone

"Hilft Akupunktur gegen Tinnitus?", lautete der Hilferuf einer Dillenburgerin. Die 62-Jährige leidet seit einem Jahr darunter. Beide Formen des Tinnitus, der rauschende und der pfeifende, seien eher schwer zu behandeln, klärte der 41-jährige Mediziner auf. Dies sei meist nicht mit fünf bis zehn Sitzungen in den Griff zu kriegen. Es handele sich grundsätzlich um ein neurologisches Problem. In einigen Fällen könne der Einsatz von Medikamenten zur Linderund beitragen. Zunächst sei mit dem HNO- und "Röhrenarzt" abzuklären, ob nicht ein Knoten auf einer Nervenbahn sitze. Ein Tipp sei eine Tinnitus-App, die es kostenlos für Smartphones gebe. Damit könne man den gehörten Ton exakt simulieren, was dazu führe, dass man das eigentliche Geräusch nicht mehr höre - die sogenannte Maskierung. Dies führe für die Dauer der Nutzung zu einer Pause vom Geräuschestress.


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