Zeugen ändern ihre Aussagen vor Gericht

JUSTIZ  Sexuelle Nötigung und Körperverletzung

Die jungen Männer müssen sich nicht nur wegen sexueller Nötigung einer Minderjährigen verantworten. Angeklagt sind weitere Straftaten. Am ersten Verhandlungstag vor dem Jugendschöffengericht wurden viele Zeugen gehört, mit teilweise gravierend ihre Aussagen zu ihren polizeilichen Vernehmungen veränderten.

Gestanden haben die beiden Angeklagten eine Körperverletzung zu Lasten eines 17-Jährigen, zu der es ebenfalls am Busbahnhof am 3. November 2017 gekommen war. Zwei Tage vorher, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll der Ältere einem 14-Jährigen ein Mobiltelefon und ein Einwegfeuerzeug Mittels Drohung mit einem Messer geraubt haben.

Die sexuelle Nötigung soll wiederum sechs Tage zuvor passiert sein. Auch hier soll ein Messer im Spiel gewesen sein, was der Bad Endbacher allerdings in beiden Fällen bestreitet.

Mutmaßliche Opfer und die beiden Täter sind in wechselnden Besetzungen Mitglieder von Gruppen Jugendlicher, die sich regelmäßig in der Gladenbacher Innenstadt treffen. So kannte die 13-Jährige auch die beiden jungen Männer, auf die sei beim Warten auf ein Anrufsammeltaxi (AST) traf.

Nur „dumme Sprüche“, so die Angeklagten

Laut Aussage der Angeklagten wollten sie das Mädchen nur ärgern, indem sie „dumme Sprüche“ machten und sie aufforderten, mit dem Älteren, der ein Kondom herausholte, um die Ecke zu gehen. Angefasst hätten sie die 13-Jährige nicht, sagten beide aus. Der Vorfall endete, als das AST kam und die 13-Jährige einstieg.

Vor Gericht bestätigte das Mädchen, vermutlich nicht absichtlich berührt worden zu sein. Ernst genommen habe sie die sexuellen Aufforderungen jedoch schon, spätestens als ihr der 18-Jährige ein Messer vor die Brust gehalten habe. In den Bus konnte sie eigenen Angaben zufolge jedoch unbehelligt einsteigen. Psychisch leide sie noch heute unter dem Vorfall.

Zeugin war die heute 14-Jährige auch bei dem angeklagten Raub. Wie die meisten anderen Zeugen schilderte sie den Vorfall wie folgt: Der Bad Endbacher hat das Opfer mit einem Messer bedroht und ein Feuerzeug erhalten. Anschließend steckte er es ein und nahm einem 17-Jährigen das Handy weg, das dieser laut Zeugen zuvor von dem 14-Jährigen erhalten hatte, um ein AST zu bestellen. Letztlich gab er das Telefon wie alle Zeugen bestätigten jedoch zurück.

Verhandlung geht am 16. April weiter

Der 18-Jährige sprach auch hier von einem Spaß. Ein Messer habe er nicht dabei gehabt und nur mit der Faust gedroht. Das Handy habe er nie behalten wollen und deshalb zurückgegeben.

Die Zeugenaussagen vor Gericht stimmten im Wesentlichen überein. Mit einer Ausnahme, denn eine 19-Jährige bestätigte weitestgehend die Aussage des 18-Jährigen. Auch bei der Polizei hatten alle übereinstimmend angegeben, allerdings anders als jetzt berichtet, der Angeklagte habe das Mobiltelefon nach der Messerdrohung direkt vom Opfer erhalten.

Vieles spreche dafür, dass die jungen Zeugen sich jeweils abgesprochen haben, waren sich alle Verfahrensbeteiligten einig. Richter Dirk-Uwe Schauß hob zu den Angaben einer Zeugin hervor, die auf ihre Erinnerungslücken verwiesen hatte, dass er sich deshalb ihre detailgetreuen Schilderungen in der Verhandlung, die von der polizeilichen Vernehmung abweichen, kaum erklären könne.

Der 17-Jährige, dem der 18-Jährige nach den Zeugenaussagen im Prozess letztlich das Telefon abnahm, soll seinerseits das Opfer der Schlägerei gewesen sein. Er wollte sich trotz gemessenen Atemalkohols von fast 2,6 Promille noch genau erinnern können, dass die Angeklagten von ihm Zigaretten wollten und ihn, als sie die nicht bekamen, geschlagen haben. Die Schläge gaben die jungen Männer zu. Anlass seien aber Beleidigungen gewesen, die von dem Geschlagenen zuvor kamen.

Die Verhandlung wird am Montag, 16. April, fortgesetzt, dann wird auch ein Urteil erwartet. (kse)


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