Zu viele Studenten, zu wenig Platz

WOHNEN Zwei Wochen nach Semesterbeginn sind noch Hunderte auf der Suche
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Fast 23 000 junge Leute studieren aktuell an der Philipps-Universität, so viele wie noch nie. Das wirkt sich auf den Wohnungsmarkt aus, das Angebot ist knapp, die Mieten steigen, die Warteliste im Studentenwerk ist lang.

"Im September des vergangenen Jahres waren es knapp 1000 Studierende, die vor dem Wintersemester eine Wohnung in Marburg und Umgebung gesucht haben und auf unserer Warteliste standen", berichtet Franziska Busch, Sprecherin des Studentenwerks Marburg.

Dieses Jahr sei die Zahl mit etwa 1100 Studierenden etwas höher, aber immer noch im normalen Rahmen, so Busch. Diese enorme Zahl hat sich mittlerweile auf "nur" noch 250 Studenten reduziert, die immer noch keine Bleibe gefunden haben und teilweise in den Notunterkünften einquartiert sind.

Aber auch diese Plätze sind nicht bei allen Wohnungssuchenden gefragt. "Von unseren 76 Notquartieren waren im Höchststand 58 belegt. Mittlerweile hat sich auch diese Zahl auf 48 reduziert", sagt Franziska Busch.

Das größte Problem eine Wohnung zu finden haben Studenten, die erst kurzfristig eine Zusage des Studienortes bekommen. "Leider liegt die Zeitspanne hier nicht in einem einigermaßen vernünftigen Rahmen, sondern in Einzelfällen haben die Studenten erst drei oder vier Tage vor Vorlesungsbeginn eine Zusage der Universität erhalten", erklärt die Sprecherin.

Dann noch etwas zu finden sei äußerst schwierig, so Franziska Busch. "Marburg ist keine Großstadt, daher ballen sich die Wohnungsangebote schon auf die Kernstadt", erklärt sie.

n Zimmer in der Jugendherberge: Schulklassen haben Vorrang

Dennoch sei es dem Studentenwerk und den Betreuern der Wohnungssuche immer gelungen, bis Anfang Januar eine Unterkunft für alle Suchenden zu finden.

Peter Schmidt, Leiter der Jugendherberge in Marburg berichtet, dass auch hier einige Studierende vorübergehend Quartier gefunden haben. "Wir haben fast in jedem Semester fünf bis zehn Studenten, die wir hier vorübergehend aufnehmen und deshalb mit der Situation schon Erfahrung", sagt er.

Diese Plätze seien aber immer nur vorübergehend zu vergeben, denn alle "normalen" Gäste wie Schulklassen hätten natürlich Vorrang und ihre Plätze auch schon im Voraus gebucht.

Teilweise hätten einige der Studenten schon Zimmer oder Wohnungen gefunden, andere hätten ihren Aufenthalt Woche für Woche verlängert. "Ich gehe aber davon aus, dass die Verbliebenen bis Anfang November auch einen Platz gefunden haben - zumindest war es bis jetzt in jedem Semester so", erklärt Schmidt.

Das Studentenwerk bemüht sich, die Wohnungsangebote zu erweitern. "Privatpersonen können in unserer Internetbörse immer Angebote einstellen. Auch haben wir ein Wohnhilfeprojekt für Senioren gestartet. Hier werden Studenten gesucht, die als Betreuung der Senioren eingesetzt werden und als Gegenleistung einen Wohnungsplatz bei den Betroffenen bekommen", berichtet Busch.

Zwar seien genügend engagierte Studierende vorhanden, die auch schon Erfahrungen in der Betreuung haben, es mangele leider an den Angeboten von Senioren. Ebenfalls soll der Neubau eines Wohnheims im Studentendorf zum Wintersemester 2013/2014 abgeschlossen sein. "In der Geschwister-Scholl-Straße werden durch den Neubau des Max-Kade-Zentrums 49 zusätzliche Plätze geschaffen", so Franziska Busch.

Diese seien auch dringend nötig. Denn im nächsten Jahr werden die ersten Doppeljahrgänge der hessischen Abiturienten durch G8 und G9 an die Universitäten strömen. Leider könne das Studentenwerk noch nicht absehen, inwieweit dies die Kapazitäten für das nächste Wintersemester auslaste, erklärt Busch.


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