Zwei Stöße im Rücken

VERBRECHEN Wolfgang Höll nach Messerattacke im Klinikum

Wolfgang Höll ist auf dem Weg der Besserung. (Foto: Lamberts)

Der 63-Jährige hat es überlebt und machte bereits am Mittwoch auf der Intensivstation des Uniklinikums einen guten Eindruck. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass ein Stich einen Lungenflügel traf und dieser kollabierte.

Wolfgang Höll, der in der Stadt als CDU-Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl vor sechs Wochen kein Unbekannter mehr ist, hatte gegen 3.30 Uhr im Fasanenweg den Gießener Anzeiger ausgetragen, als er aus dem Bereich Rehschneise Lärm hörte, "als würde eine Scheibe eingeschlagen". Mit seinem Stapel Zeitungen unter dem Arm sei er sofort in Richtung der Geräusche gelaufen.

"In mir ist der Groll aufgestiegen, weil ich dachte, dass wieder etwas aus purer Zerstörungswut demoliert wird", verteidigt er seinen spontanen Drang, der Sache auf den Grund zu gehen.

Als er um die Ecke bog, sah er zwei Männer mit geschulterten Rucksäcken, die gemächlich die Rehschneise in Richtung der kleinen Parkanlage an der Licher Straße hinuntergingen. Lautstark habe er sie gefragt, was sie da machen; sie sollten stehenbleiben, er werde die Polizei rufen - wohl wissend, dass er sein Handy zu Hause gelassen hatte.

Im Abstand von zehn Metern habe er die Unbekannten verfolgt. "Als ich noch etwa fünf Meter von ihnen entfernt war, drehten sie sich wie auf Kommando zu mir um und kamen auf mich zu. Dabei griff einer in seine Tasche und holte etwas heraus", schildert Höll.

Der ehemalige OB-Kandidat: "Denen ist ein Menschenleben nichts wert"

Pfefferspray habe ihn aus etwa einem Meter Entfernung ins Gesicht getroffen. Daraufhin habe er versucht, sich zu wehren und glaubt, dem Angreifer in den Bauch getreten zu haben, der ihn jedoch offenbar weiter mit der beißenden Substanz besprühte. Plötzlich dann die zwei starken Stöße im Rücken. "Durch das Spray hatte ich gar nicht bemerkt, dass der zweite Angreifer hinter mich getreten war und mit dem Messer zustach", so der Gießener. Dann seien die Angreifer verschwunden, durch die tränenden Augen sah er nicht wohin.

Völlig benommen, aus der Nase blutend und orientierungslos, habe er sich um Hilfe und nach der Polizei schreiend an einem Haus entlanggetastet. An einem Eingang drückte er auf alle Klingeln. "Dann habe ich mich erst einmal hingesetzt." Eine Anwohnerin rief die Polizei. Höll kommt sofort in die Uniklinik. In der langen Zeit des Zeitungsaustragens hat er ein paar Mal Autoaufbrecher überrascht. "Die sind aber dann sofort getürmt." Mit Derartigem habe er nicht gerechnet: "Denen ist ein Menschenleben nichts wert."

Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, hatten die Verdächtigen neun Fahrzeuge aufgebrochen. Hinweise gebe es noch nicht. (jl)


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