Zwei heimische Künstler – eine Ausstellung

Präsentation  Karl Lenz trifft in Weidenhausen, anders als im Leben, auf Otto Ubbelohde

Nach den Vorträgen und Grußworten hatten die Besucher ausreichend Zeit, sich die Zeichnungen und Radierungen von Ubbelohde aus der Nähe anzuschauen. (Foto: Piplies)
Die Ausstellung zeigt viele Ausgaben der „Hessen-Kunst“. (Foto: Piplies)
Bild 1 von 2

Die Heimatfreunde betreiben das Museum, welches in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen untergebracht ist. Seit Mai 2015 hat es auch der Karl-Lenz-Stiftung mit ihren Gemälden des „letzten großen Malers der hessischen Landschaft und der bäuerlichen Bewohner“ eine neue Heimat gegeben, wie es Gladenbachs Bürgermeister Peter Kremer (parteilos) in seinem Grußwort formulierte. Auch Professor Bernd Küster, großer Kenner von Ubbelohde, war in den Gladenbacher Stadtteil gekommen, um in einem kurzen Referat die beiden großen heimischen Maler zu würdigen.

Für die passende Musik sorgte Emonn McCormack. Der irische Blues-Rock Gitarrist und Songschreiber lebt aktuell in Weidenhausen und spielte kostenlos aus seinen neuen CD. Für einen kleinen leckeren Imbiss der Kunstfreunde und Besucher sorgten die Damen vom Heimatverein.

Rathauschef Kremer erinnerte an die Lebensdaten der beiden Künstler der Weidenhäuser Ausstellung. Otto Ubbelohde, weltweit bekannt durch seine Illustrationen zu den Märchenausgaben der Brüder Grimm, wurde am 5. Januar 1867 in Marburg geboren, besuchte die Kunstakademien in Weimar und München sowie die Künstlerkolonie Worpswede. Er lebte 16 Jahre in München und kehrte dann in seine Heimat zurück, um sich in Goßfelden niederzulassen. Seine künstlerische Bedeutung wurde dadurch amtlich bestätigt, dass er im Jahre 1917 vom Preußischen Ministerium den Professorentitel erhielt. Noch im gleichen Jahr wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Gießen verliehen, und und die Universitätsstadt Marburg ernannte ihn zum Ehrensentor. Er starb am 8. Mai im Lahntal.

Karl Lenz, 1898 in Frankfurt am Main geboren , besuchte zunächst die Kunstgewerbeschule in Frankfurt und machte Bekanntschaft mit den Frankfurter Malern Wilhelm Altheim und Fritz Boehle. 1916 wechselte er ans Städelsche Kunstinstitut, wurde 1921 an der Düsseldorfer Kunstakademie aufgenommen und Meisterschüler von Professor Julius Paul Junghanns.

Dank für das Engagement

1923 zog er nach Erdhausen, woher sein Vater stammte und wo er in seiner Kindheit stets die Sommerferien verbracht hatte. Nach seiner Heirat mit Berta Weigand ließ er dort in Haus mit Atelier errichten. Lenz starb 1949.

Professor Küster erläuterte in seinem Vortrag, dass sich die beiden heimischen Künstler im wirklichen Leben wohl nie begegnet sind, aber beide als Propagandisten für das Marburger Land und das Hinterland bezeichnet werden können. Beide sind „Stadtflüchlinge“, die bewusst ihre Ateliers in einer abgelegenen ländlichen Region verlägt hätten, um dort die Landschaft und ihre Bewohner zu zeichnen und malen. Es sei auch die Spätphase dieser „Landflucht“ und „Landschaftsmalerei“ gewesen. Doch sei beiden, die in relativ jungen Jahren verstorben sind, „kein Spätwerk“ vergönnt gewesen, so eine weitere „schicksalshafte Verflechtung“.

Der Erste Kreisbeigeordneter Marian Zachow (CDU) lobte das Engagement der Ausstellungsmacher und ihren Verdienst, die heinischen Künstler nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dabei wäre auch Ubbelohde fast in Vergessenheit geraten, wenn nicht Professor Küster ihn 1984 in einer umfangreichen wissenschaftlichen Monografie gewürdigt hätte, erinnerte Zachow.

Und für die Erinnerung an Karl Lenz ist der nach ihn benannten Stiftung zu danken. Weitere Ausstellungen, die Lenz zu anderen Künstlern in Beziehung stellen seinen für das kommende Jahr geplant, erklärte Rosemarie Wolny vom Vorstand der Lenz-Stiftung. Die Ausstellung ist noch bist zum 7. Januar 2018 jeden Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr sowie auf Anfrage.

Kontakt für Führungen: Karl-Lenz-Stiftung, (0 64 21) 4 14 36 und (0 64 62) 62 78 oder Heimatverein Weidenhausen, (0 64 62) 85 33. (pp)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus red.web unzugeordnet